{"id":1687,"date":"2019-03-30T12:41:58","date_gmt":"2019-03-30T11:41:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/wp2\/?p=1687"},"modified":"2019-03-30T12:41:58","modified_gmt":"2019-03-30T11:41:58","slug":"turracher-hoehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/foto.refro.at\/?p=1687","title":{"rendered":"Turracher H\u00f6he"},"content":{"rendered":"<p>Wenn andere bereits von W\u00e4rme und Fr\u00fchlingsgef\u00fchlen tr\u00e4umen, dann bin ich so richtig in Winterstimmung \u2013 es dauert halt immer ein wenig bei uns in der Familie, bis alle in jahreszeitlichem Gleichklang schwingen. Sicherlich ist dies auch der Tatsache geschuldet, dass wir in Linz nur selten ab Dezember in ein winterliches Flair eingeh\u00fcllt sind. In meinen Jugendtagen, im Norden von Ober\u00f6sterreich nahe der tschechischen Grenze, war t\u00e4gliches Schneeschaufeln im Dezember ganz normal. Und bei unserer damaligen Garagenausfahrt t\u00fcrmten sich die Schneew\u00e4nde beiderseits mindestens 1 \u00bd Meter hoch. Normalzustand anno 1985.<\/p>\n<p>Zudem gibt es in den Weihnachtsferien die famili\u00e4ren Verpflichtungen zu erf\u00fcllen und in den Semesterferien ist auf den Pisten zu viel los.<\/p>\n<p>Die Quadratur des Kreises aller Anforderungen unter einen Hut zu bekommen kann beim Skifahren im M\u00e4rz gelingen, sofern die Wetterlage mitspielt. Heuer waren die Voraussetzungen daf\u00fcr vielversprechend: eine hervorragende Schneelage, Sonne, aber noch keine fr\u00fchlingshaften Temperaturen und zudem aufgrund des eingangs erw\u00e4hnten Statements wenig zu erwartende Skifahrer auf den Pisten. Ideal!<\/p>\n<p>F\u00fcrs Aussuchen des Skiressorts bzw. Hotels sind meine M\u00e4dels zust\u00e4ndig. Diesmal ging es also auf die <em>Turrach<\/em>. Kein Megaskigebiet f\u00fcr h\u00f6chstsportlich ambitionierte Urlauber, aber das sind wir Drei ohnehin nicht. Stattdessen lieber im Einklang mit langem Ausschlafen, ausgiebigem Fr\u00fchst\u00fccken, auf das w\u00e4hrend der Arbeitswoche normalerweise komplett verzichtet wird, 4 Stunden Genussskifahren \u2013 wohlgemerkt dann ohne H\u00fcttensitzen und H\u00fcttengaudi \u2013 \u00a0Schneewandern, Sauna\/Schwimmen\/Wellness und einem gepflegten Abendessen. Genug Aktivit\u00e4ten, um dann sp\u00e4testens um 11h abends in den verdienten Murmeltiertiefschlaf zu fallen.<\/p>\n<p>Und ehrlich, das hochalpine Panorama Richtung <em>Nockberge<\/em> bzw. <em>Gurktaler Alpen<\/em> an der L\u00e4ndergrenze zwischen <em>K\u00e4rnten<\/em> und der <em>Steiermark<\/em>, das am Gipfel der Berge genossen werden kann, das hat schon was Erhebendes! Da brauchts auch nicht allzu viel Vorstellungskraft, dass dieser Platz auch im Sommer ein guter Ort zum Energietanken ist \u2013 frische H\u00f6henluft ohne M\u00f6rderhitze, ein auch im Sommer sehr erfrischender See mit Temperaturen bis max. 20\u00b0C und ein weites Netz an alpinen Wanderwegen direkt vor der Haust\u00fcr.<\/p>\n<p>Klimatisch konnten wir diesmal Mitte M\u00e4rz alles erleben, was das Herz und der Wunsch nach einem Abenteuerurlaub begehren l\u00e4sst. Sonne, W\u00e4rme, Firn, Wind &amp; horizontales Schneegest\u00f6ber, klirrend kalte N\u00e4chte mit morgendlichem Pulverneuschnee, aber auch einen Wetterumschwung von Sonne hin zu dichtestem Nebel, der uns innerhalb einer Viertelstunde einen Blindflug von der Bergstation der <em>Kornockbahn<\/em> verschaffte. Dank dichtestem Schneetreiben erlebten wir <em>Yeti<\/em>-Feeling mit Eiszapfen im Gesicht und der einsetzende Nebel \u2013 sprich: Sichtweite null \u2013 hielt unseren Adrenalinspiegel beim Versuch der Abfahrt Richtung Tal konstant hoch. Abenteuer pur \u2013 bei der ich auch feststellen durfte, dass ich mich in einer solchen Situation auf meinen Gleichgewichtssinn nur mehr bedingt verlassen kann. 2 bis 3 Schw\u00fcnge im wei\u00dfen Nichts und beim N\u00e4chsten umgefallen wie ein Sack Mehl. Nicht lustig!<br \/>\nAber bereits nur eine Stunde sp\u00e4ter blinzelte die Sonne wieder stellenweise hervor. Der Wind durchzog die Bergregion und war so Vorbote eines strahlend blauen Sonnentages, den wir am n\u00e4chsten Tag als Geschenk des Himmels haupts\u00e4chlich auf der sich in perfekten Zustand pr\u00e4parierten <em>21er-Eisenhut<\/em>-Piste der <em>Turrachbahn<\/em> verbrachten.<\/p>\n<p>Umso mehr konnte ich nach meinem &#8222;Nebelerlebnis&#8220; das angenehme Ambiente im bei vielen kleinen Details wundervoll durchdachten Hotel <em>Hochschober<\/em> genie\u00dfen \u2013\u00a0 so zB. ein auf Weltklasseniveau agierender <em>Anatoli<\/em> beim 3er-Aufguss in der Panoramasauna. Wo sonst kann ein stimmungsvoller, indirekter Sonnenuntergang mit Blick Richtung <em>Kilnprein<\/em> parallel zum w\u00e4rmeverteilenden \u201eHandtuch-Doppelhelikopter\u201c von <em>Anatoli<\/em> genossen werden? Wo sonst kann der so auf alle Rotschattierungen erw\u00e4rmte K\u00f6rper anschlie\u00dfend wie beim Stahlh\u00e4rten im Eisbad des 2\u00b0C kalten <em>Turracher Sees<\/em> blitzartig abgek\u00fchlt werden? Eine \u00dcbung, der im \u00dcbrigen auch das \u00f6sterreichische Bundesheer mitten am See fr\u00f6nt. Im Gegensatz zu mir aber nicht im Adamskost\u00fcm, sondern in doppelter Neoprenmontur. Trotzalledem noch immer eine Herausforderung f\u00fcr Mensch &amp; Technik.<br \/>\nAnschlie\u00dfend noch Frischluft genie\u00dfen, in Gedanken den Tag Revue passieren und mit den schneeverwirbelnden Windhosen den Blick \u00fcber den See schweifen lassen, \u00fcber den uns untertags noch ein Pistenbully als Verbindung zwischen Ost- &amp; Westh\u00e4lfte des Skigebiets gezogen hat. Ruhe &amp; innerliche Gelassenheit machen sich in mir breit. Ab auf einen taiwanesischen Gr\u00fcntee in den hoteleigenen Chinaturm.<\/p>\n<p>Die vorhandenen Schneemengen sowie der Schneefall vor den abendlich beleuchteten Nadelb\u00e4umen, den wir als Ausblick von unserem Sitzplatz im Restaurant hatten, w\u00e4hnten uns nicht im Fr\u00fchlingsschiurlaub, sondern verspr\u00fchte das tiefwinterliche Flair der Weihnachtszeit. Die Zeit steht kurz still \u2013 nein: sie spult zur\u00fcck. Und so k\u00f6nnen wir auch locker \u00fcber die leichten Schw\u00e4chen beim abendlichen Hauptgang sowie den Patisserien hinwegsehen. Denn summa summarum ist das kulinarische Angebot \u00fcber den Tag betrachtet im Hotel ganz ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Bei einem gem\u00fctlichen Spaziergang rund um den See erhalten wir zudem auch gleich Geschichtsunterricht der touristischen Erschlie\u00dfung der Region. Die Ortschaft <em>Turracherh\u00f6he<\/em> (jawohl: das ist die amtlich korrekte Schreibweise) auf der Passh\u00f6he selbst ist kurioserweise gleich 2 Bundesl\u00e4ndern zugeteilt. N\u00f6rdlich der <em>Steiermark<\/em>, Gemeinde <em>Stadl-Predlitz<\/em> und s\u00fcdlich dem Bundesland <em>K\u00e4rnten<\/em>, Gemeinde <em>Reichenau<\/em> \u2013 2 Fahnen neben der B95 markieren die Teilung der Ortschaft. Bergbau wurde bereits seit dem Mittelalter betrieben, die Passstra\u00dfe und somit auch die Erschlie\u00dfung f\u00fcr den Fremdenverkehr jedoch ist eine Errungenschaft der Neuzeit. Im \u00dcbrigen war die B95 einmal die steilste Passstra\u00dfe K\u00e4rntens \u2013 der <em>60er Stein<\/em>, welcher nun ins Ortsgebiet verpflanzt wurde, gibt Kunde vom ehemals steilsten St\u00fcck 60 km n\u00f6rdlich von <em>Klagenfurt<\/em>, das laut Inschrift mehreren Autofahrern das F\u00fcrchten gelehrt hatte.<\/p>\n<p>Jedes Hotel am See f\u00fchrt ein Schild, seit wann es den Beherbergungsbetrieb aufgenommen hat und zu welchem Zweck es gegr\u00fcndet wurde. Und trotz der \u00fcberschaubaren Gr\u00f6\u00dfe dieser Region scheint hier oben nicht alles eitel Wonne &amp; Sonnenschein zu sein, wie der Verkauf des langj\u00e4hrigen Traditionsbetriebs <em>Alpengasthof Siegel<\/em> im Jahr 2017 zeigt. Die <a href=\"http:\/\/www.alpengasthof-siegel.at\/\"><em>Homepage<\/em><\/a> ist kurioserweise noch immer online und legt mit dem darin integrierten Bildmaterial stummes Zeugnis ab von l\u00e4ngst vergangenen Zeiten. Als Fotomotiv erinnert mich dieses direkt an der Bundesstra\u00dfe gelegene Gasthaus an meine Schullandwochen vor 30 Jahren. Ein Dinosaurier, ein Relikt aus einer anderen Zeit. \u00dcbriggeblieben und jetzt verstorben.<\/p>\n<p>Ebenso direkt an der Bundesstra\u00dfe auf der K\u00e4rnterseite liegt ein architektonischer Schandfleck \u2013 das <em>Panoramahotel<\/em>. Ein quaderf\u00f6rmiger, uniformer, visuell sinnbefreiter grau-beiger Betonzweckbau, hineingeklatscht in den Hang, mit einer abenteuerlichen Auffahrt in Serpentinen, die im oberen Bereich auf Stelzen gestellt wurde. Wer bittesch\u00f6n hat ein solches Monstrum (in den 70igern=) genehmigt? Architektur mit Fingerspitzengef\u00fchl sollte in diesen geografischen Breiten eigentlich zum guten Ton geh\u00f6ren. \u00d6sterreich sollte ein Synonym f\u00fcr Symbiose aus Landschaftspflege und nachhaltigen Tourismus sein \u2013 leider \u00fcberwiegen wohl noch immer die wirtschaftlichen Interessen der \u201eschwarz kolorierten Kraft am Land\u201c?<\/p>\n<p>Unsere Konklusio?<br \/>\nEine wetterm\u00e4\u00dfige wie auch (kulinarisch) teilweise emotionale Hochschaubahn, welche wir in 5 Tagen durchleben durften. Charmanter Abenteuerurlaub im Kleinformat. Haben wir\u2019s bereut? N\u00f6 \u2013 definitiv nicht. Kommen wir wieder? Vielleicht. Dann aber sicherlich einmal im Sommer \u2013 wenn\u2019s so richtig hei\u00df ist in den Niederungen. Und darauf m\u00fcssen wir wahrscheinlich nicht mehr allzu lange warten\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn andere bereits von W\u00e4rme und Fr\u00fchlingsgef\u00fchlen tr\u00e4umen, dann bin ich so richtig in Winterstimmung \u2013 es dauert halt immer ein wenig bei uns in&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1704,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[234,235,236,233,232],"class_list":["post-1687","post","type-post","status-publish","format-gallery","has-post-thumbnail","hentry","category-orte-reisen","tag-chinaturm","tag-hochschober","tag-nockberge","tag-skifahren","tag-turracher-hoehe","post_format-post-format-gallery"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1687","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1687"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1687\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1714,"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1687\/revisions\/1714"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1704"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1687"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1687"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/foto.refro.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}