{"id":1972,"date":"2019-09-08T17:22:48","date_gmt":"2019-09-08T15:22:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/wp2\/?p=1972"},"modified":"2019-09-15T20:48:21","modified_gmt":"2019-09-15T18:48:21","slug":"slowenien-i-rund-um-bled","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/foto.refro.at\/?p=1972","title":{"rendered":"Slowenien I \u2013 Rund um Bled"},"content":{"rendered":"<p><em>Slowenien<\/em>, so nah und doch so fern. Meine erste Erinnerung an dieses Land liegt gut 30 Jahre zur\u00fcck. Damals war ich keine 20 und wir fuhren per <em>Interrail-<\/em>Ticket nach <em>Griechenland<\/em>. Die erste Station nach dem heimatlichen <em>K\u00e4rnten<\/em> hinter den <em>Karawanken<\/em> war <em>Jesenice<\/em> im damaligen <em>Jugoslawien<\/em>. D\u00fcster, schmutzig und ein Ort des Kommunismus. Egal \u2013 diese Zeiten sind gl\u00fccklicherweise ein f\u00fcr allemal pass\u00e9. Und <em>Slowenien<\/em> ist und war ein Vorreiter der nationalen Befreiung und Erneuerung.<\/p>\r\n<p>Auch heute erinnert in <em>Jesenice<\/em> noch ein hoher Fabrikschlot an die damalige Bergbaut\u00e4tigkeiten. Dieser ist nunmehr jedoch Teil eines Museums. Ansonsten ist dort nicht allzu viel los und wir machen uns auf zu unserer ersten Besichtigung. Da wir bereits einen guten Teil des Tages im Auto verbracht haben, wollen wir an unserem Anreisetag noch durch die nahegelegene <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vintgarklamm\"><em>Vintgar<\/em><\/a>-Klamm wandern. Der erste Schreck erfasst uns, als wir auf der Zufahrtsstra\u00dfe Richtung <em>Bled<\/em> pl\u00f6tzlich im Stau stehen. Da ist die H\u00f6lle los! Und mich \u00fcberkommt eine b\u00f6se Vorahnung in Bezug auf den Klammbesuch.<br \/>Ein Stunde sp\u00e4ter im Schneckentempo k\u00f6nnen wir uns aus der Kolonne zum See befreien \u2013 \u00a0wir biegen kurz vorm Ort ab. Die Ausschilderung zur Klamm ist l\u00fcckenhaft und auch das Navi ist sich nicht immer ganz sicher. Wir kommen trotzdem an, dort herrscht ein \u00e4hnliches Get\u00fcmmel wie zuvor in <em>Bled<\/em>, haben aber sogar Gl\u00fcck und finden rasch einen freien Parkplatz nahe dem Eingang. Meine Vorahnung wird nun best\u00e4tigt, vorm Eintrittsh\u00e4uschen der bereits zu Zeiten der \u00f6sterreichischen Monarchie er\u00f6ffneten <em>Vintgar<\/em>-Klamm steht eine lange Schlange, viele Touristen aus aller Herren L\u00e4nder \u2013 leicht durch das babylonische Sprachgewirr zu identifizieren \u2013 stellen sich genauso an wie die zahlreichen einheimischen Urlauber. Viele Personen mit Kleinkindern in Flip Flops und Sandalen? Passt das f\u00fcr eine Klamm? Wir entrichten die Besuchsgeb\u00fchr und werden ab dann wie auf der Autobahn durch die gut ausgebaute Schlucht, welche die <em>Radvna<\/em> durch den Fels gegraben hat, vorw\u00e4rtsgeschoben. Jeder Meter 2 Besucher \u2013 einer hin und einer zur\u00fcck. Personen, die kurz stehenbleiben, um ein Foto zu schie\u00dfen, werden fast zur unpassierbaren Stelle. Ehrlich, so haben wir uns das nicht gew\u00fcnscht \u2013 willkommen zur Hauptreiseurlaubszeit!<\/p>\r\n<p>Nach der Enge am Anfang der Klamm weitet sich diese gegen Ende wieder, und: \u00dcberraschung! Im Flussbett unten stehen hunderte, teilweise ziemlich imposante Steint\u00fcrme \u2013 stumme Zeugen \u2013 Avataren gleich \u2013 des unaufh\u00f6rlichen Besucherstroms. Nat\u00fcrlich hinterlassen wir unser eigenes kleines Stoamandl, alleine schon, um die Freveltat jener franz\u00f6sischen Jugendlichen zu kompensieren, die beim Durchwandern zwischen den T\u00fcrmen einen aus Unachtsamkeit umrennen und auch trotz meiner Aufforderung nicht die geringsten Anstalten zeigen, diesen wieder instande zu setzen. Solche Gfraster!<br \/>Am Nordende wartet eine erfrischende, weil durch Ger\u00e4usch und Spr\u00fchnebel k\u00fchlende Wehr, \u00fcber die oberhalb der Schlucht auch eine Eisenbahnbr\u00fccke f\u00fchrt. Wir qu\u00e4len uns \u00fcber die engen Stege und durch die Menschenmassen zur\u00fcck zu unserem Ausgangspunkt, die Schlange beim Eingang ist noch immer betr\u00e4chtlich lange. Schaut nach einem guten Gesch\u00e4ft aus.<\/p>\r\n<p>Auf zum ersten Quartierstopp in <em>Radovljica<\/em> unweit von Bled. Der wirklich schmucke und liebevoll restaurierte, autofreie Ortskern um den <em>Linhart<\/em>-Platz versetzt uns in die Lage, uns vorzustellen, wie es vor gut 200 Jahren in den Ortschaften im ganzen Land ausgesehen haben k\u00f6nnte. Ein schmuckes Palais \u2013 <em>Schloss Thurn<\/em> \u2013 beherbergt zugleich das Imkereimuseum wie auch die Musikschule, eine sch\u00f6ne Kirche, ein uriges Gasthaus, ein Dorfbrunnen und ein Gesch\u00e4ft, das alte Blechblasinstrumente anstatt in der Gesch\u00e4ftsauslage lieber an die gegen\u00fcberliegende H\u00e4userwand h\u00e4ngt. Ein sch\u00f6ner Arkadenhof ziert den Pfarrhof und auch die h\u00fcbsche sp\u00e4tgotische Kirche kann sich sehen lassen.<\/p>\r\n<p>Beim Abendessen (stilecht: Gulasch mit Schlutzkrapfen) erkennen wir gleich die Priorit\u00e4ten der Slowenen: Glas Wei\u00dfwein \u20ac 1,50, gr\u00fcner Beilagensalat \u20ac 6,50. Verkehrte Preiswelt! Das urige Gasthaus <em>Lectar<\/em> am <em>Linhartov trg<\/em> beherbergt ein Lebkuchenmuseum und ist so eingerichtet, dass ich glaube, jede Sekunde den Original Oberkrainern zu begegnen. Volksmusik und Tracht hat hier Tradition. Und ich dachte immer, dass dies ein steirischer Exportartikel sei &#x1f609;.<\/p>\r\n<p>Der n\u00e4chste Tag gilt <em>Bled<\/em> und seinem See.<br \/>Kleiner Stau, aber den sind wir ja nun bereits gewohnt. Wir gehen also unserer Nase nach ein gutes St\u00fcck durch den alten Ort Richtung See und vermuten dann: hier residierten im alten <em>Jugoslawien<\/em> zum Teil die privilegierten Parteisoldaten. Denn ein paar wirklich sehr sch\u00f6ne, alte Villen lassen sich entlang unseres Weges bestaunen. Der Rest des Ortes, besonders entlang der Hauptstra\u00dfe offenbart aber viele h\u00e4ssliche und desolate Flecken. Nichts, was auch nur einen Blick im Urlaub wert w\u00e4re. Die Sache ist ein Politikum mit gegenseitiger Blockade, wie wir sp\u00e4ter erfahren. So wie andernorts in Europa eben auch.<\/p>\r\n<p>Der <em>Veldeser See<\/em> mit seiner charakteristischen, inmitten des Sees gelegenen Insel ist gewiss ein Kleinod Sloweniens. Das wusste auch der \u00fcberm\u00e4chtig gro\u00dfe Parteifreund Jugoslawiens, Marschall <em>Josip Broz Tito<\/em>, zu sch\u00e4tzen und lie\u00df sich hier seine Sommerresidenz errichten, heute ein Hotel im Charme der typischen farb- &amp; schmucklosen, grobschlachtigen Ostblock-architektur.<br \/>Jedenfalls ist alles hier idyllisch gelegen, im Hintergrund die Berge des <em>Triglav<\/em>-Nationalparks, Teil der <em>Julischen Alpen<\/em>, im Vordergrund die schroff am Felsen gelegene Burg am See, <em>Blejski Grad<\/em> und mitten drin die Insel <a href=\"http:\/\/www.bled.si\/de\/sehenswurdigkeiten\/naturliche-sehenswurdigkeiten\/die-insel-auf-dem-see\"><em>Blejski Otok<\/em><\/a> samt Marienkirche. Die \u00dcberfahrt erfolgt mit der hier typischen <em>Pletna<\/em> (entspricht unseren Pl\u00e4tten im Salzkammergut), die mit einer monoton ablaufenden, k\u00f6rperbetonten Vorw\u00e4rtsbewegung gerudert wird. Alternative, die auch von einigen Urlaubern bevorzugt wird: r\u00fcberschwimmen. Allerdings wird die Besichtigung im Bikini und in der Badehose auf der Insel nicht gerne gesehen. Wir nehmen die k\u00fcrzere und gem\u00fctlichere \u00dcberfahrt ab <em>Villa Bled<\/em> und nicht jene ab <em>Bled<\/em>-Ortskern. Auf der Insel angekommen werden wir dann auch noch Zeuge einer Hochzeit. Und genau wie unser F\u00e4hrmann <em>Alex<\/em> es prophezeit hat, muss der (in unserem Fall nicht mehr ganz so junge) Br\u00e4utigam seine Zuk\u00fcnftige von der Anlegestelle die ganze Treppe hinauf zur Kirche zu tragen. Ein ziemlich schwei\u00dftreibender Job, er hatte meinen h\u00f6chsten Respekt, denn um ehrlich zu sein, ich bezweifle, dass ich es geschafft h\u00e4tte, gut 70 kg die 99 Stufen hochzutragen.<\/p>\r\n<p>Uneingeschr\u00e4nkt empfehlenswert ist auch die Spezialit\u00e4t der Region, die <a href=\"https:\/\/www.sava-hotels-resorts.com\/en\/sava-hoteli-bled\/gastronomy\/the-original-bled-cream-cake\"><em>Bleder Cremeschnitte<\/em><\/a>. Original nur im Park Restaurant &amp; Caf\u00e9. Eine Augenweide, wie die K\u00f6stlichkeit im Spalier fein s\u00e4uberlich und appetitlich in der Vitrine aufgeschichtet ist. Auf der Terrasse des Park Caf\u00e9s mit herrlichem Ausblick auf Uferpromenade, Schloss und Marieninsel genossen, verk\u00f6rpert ein St\u00fcck der ziemlich \u00fcppig-intensiven <em>Bleder Cremeschnitte<\/em> Urlaubsfeeling sowie zugleich slowenische Tradition. Wer kein S\u00fc\u00dfer ist \u2013 so wie ich \u2013 f\u00fcr den ist 1 St\u00fcck f\u00fcr 2 Personen mehr als ausreichend. Geschmacklich aber wirklich 1a und ein <em>must prove<\/em>. Zum Gl\u00fcck helfen uns eine Schar frecher Spatzen, die keck am Tisch landen und sich ungefragt beim Dessert bedienen.<\/p>\r\n<p>Eine mindestens so sch\u00f6ne Aussicht gibt es vom S\u00fcdufer aus vom <em>Caf\u00e9 Belevedere<\/em>. In luftiger H\u00f6he ergibt sich vom Viadukt (von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Joze_Plecnik\">Jo\u017ee Ple\u010dnik<\/a>, dem Erbauer der <em>Villa Bled<\/em> bzw. der <em>Drei Br\u00fccken<\/em> in <em>Laibach<\/em>) eine alternative, reizvolle Perspektive auf den <em>Blejsko jezero<\/em>.<\/p>\r\n<p>Nach sovielen Kalorien braucht es Bewegung, daher erklimme ich zum Sonnenuntergang den sch\u00f6nsten Aussichtspunkt auf der Insel und wandere den Anstieg hinauf nach <em>Ojstrica<\/em> bzw. <em>Mala Osojnica<\/em>. Vom Westufer des Sees gilt es einen teilweise ziemlich steilen Pfad durch den Wald samt einer Stahltreppe \u00fcber einen Felsen zu \u00fcberwinden, bevor die Aussicht einen f\u00fcr die Anstrengung entsch\u00e4digt. Vorher gilt es aber erstmals einen Parkplatz in der N\u00e4he zu finden, denn am Westufer beim Campingplatz sind die Stellpl\u00e4tze beschr\u00e4nkt und schnell voll und ansonsten sind Parkpl\u00e4tze um den See Mangelware. Die einzigen Pl\u00e4tze im S\u00fcden geh\u00f6ren meistens zu gastronomischen H\u00e4usern und werden nur an G\u00e4ste des Hauses vergeben. Also kommt zum einst\u00fcndigen Aufstieg dann vorher auch noch ein einst\u00fcndiger Anmarsch. Ein paar mehr Parkpl\u00e4tze t\u00e4ten den doch zahlreichen Touristenstr\u00f6men ganz gut! Abkassiert wird f\u00fcrs Abstellen des Autos sowieso. Der Ausblick auf den See, die Insel und die in der Ferne liegenden <em>Karawanken<\/em> (und seiner h\u00f6chsten Erhebung, dem <em>Hochstuhl<\/em>) l\u00e4sst einem das Herz h\u00f6her schlagen und erkl\u00e4rt zurecht, warum sich die Region als Alpines Kleinod bezeichnen darf. \u00a0<\/p>\r\n<div style=\"width: 640px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-1972-1\" width=\"640\" height=\"360\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/videos\/VintgarKlammBled.mp4?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/videos\/VintgarKlammBled.mp4\">http:\/\/www.refro.at\/refroto\/videos\/VintgarKlammBled.mp4<\/a><\/video><\/div>\n\r\n<p>\u00a0 Zur\u00fcck nach <em>Radlovjica<\/em>, wo wir in der <em>Gostilna Avgu\u0161tin<\/em> mit Blick auf den <em>Triglav<\/em>-Nationaplark bei herrlichem Fisch einen mit vielen Eindr\u00fccken versehenen Sommerurlaubstag ausklingen lassen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Slowenien, so nah und doch so fern. 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