{"id":1991,"date":"2019-10-03T21:19:43","date_gmt":"2019-10-03T19:19:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/wp2\/?p=1991"},"modified":"2021-09-04T14:49:46","modified_gmt":"2021-09-04T12:49:46","slug":"slowenien-ii-triglav-soca","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/foto.refro.at\/?p=1991","title":{"rendered":"Slowenien II \u2013 Triglav &#038; So\u010da"},"content":{"rendered":"<p>Am n\u00e4chsten Tag brechen wir auf in Richtung <em>Kranjska Gora<\/em>. Der Ortsname macht mir bewusst, dass wir nun auch ein visuelles Bild zum historischen, habsburgischen Gebiet der\u00a0\u00a0 <em>Krain<\/em> vor Augen haben, inklusive der <em>Originalen Oberkrainer<\/em> (sic!) und der <em>Krainer Wurst<\/em>. Wohlgemerkt jene ohne K\u00e4se, denn die wurde erst sp\u00e4ter in \u00d6sterreich erfunden.<br \/>Die Route entlang der 201er-Strasse gibt mit Blick auf den Nordkamm mit den <em>\u0160pik<\/em> und <em>\u0160karlatica<\/em>-Gipfeln eine erste Impression auf das schroffe Massiv des <em>Triglav<\/em>-Nationalparks frei. Der Blick auf die <em>Julischen Alpen<\/em> ist famos und bleibt es auch, als wir nach der Abzweigung auf die 206er hinter <em>Kranjska Gora<\/em> bei den Badeseen bei einem Kaffee-Stopp anhalten. Grandiose Kulisse zur Vormittagszeit! Renate will sich fast nicht mehr trennen von diesem Anblick, doch wir m\u00fcssen weiter, rauf auf den mit 1611m h\u00f6chsten Pass Sloweniens, dem <em>Vr\u0161i\u010d<\/em>-Pass. Unterwegs machen wir nach Kehre 10 bei der <em>Russischen Kapelle<\/em> Halt. Ein St\u00fcck tragische Geschichte des ersten Weltkriegs, da bei der Errichtung dieser Passstra\u00dfe f\u00fcr die \u00f6sterreichisch-ungarische Armee ins <em>Isonzo<\/em>-Tal viele russische Kriegsgefangene ihr Leben lassen mussten. Zudem wird mir auch klar, warum im Sommer 2016 f\u00fcr den Besuch von <em>Wladimir Putin<\/em> in Slowenien der Karawankentunnel gesperrt wurde. Da wurde n\u00e4mlich das 100j\u00e4hrige Bestehen der Kapelle gefeiert.<\/p>\n<p>Heutzutage spielen sich auf der kopfsteingepflasterten Stra\u00dfe Dramen anderer Art ab. Die bei (Renn)Rad- und Motorbike-Fahrern gleicherma\u00dfen beliebte Strecke verf\u00fchrt in Kombination mit den vielen Caravans die Urlauber zu wirklich gef\u00e4hrlichen Man\u00f6vern. Da durch die Enge der Stra\u00dfe Innenkurven oftmals eng genommen werden m\u00fcssen, bleibt f\u00fcr die Radfahrer schlichtweg wenig bis gar kein Platz mehr, sodass diese im Rinnsal zu Sturz kommen. Andererseits sind die Motorradfahrer oftmals in den Haarnadelkurven \u00fcberrascht, dass bei entgegenkommenden Wohnmobilen nur mehr wenig Platz au\u00dfen vorbei bleibt. Das Kopfsteinpflaster sorgt zudem f\u00fcr wenig Grip bei scharfen Brems- bzw. Ausweichman\u00f6vern.<\/p>\n<p>Der dominierende Berg bei der Auffahrt ist der ostseitige, mit einem Felsenfenster versehene <em>Prisojnik<\/em>. Oben am Plateau des Passes angekommen, herrscht dichtes Gedr\u00e4nge. Parkende Autos, Touristenbusse und zwischendrinnen mehrere Schafherden, die jeden Schattenplatz (auch auf der Stra\u00dfe) belagern, machen die damit nur mehr einspurig m\u00f6gliche Durchfahrt zur Geduldsprobe. Wir finden eine Parkl\u00fccke, packen unsere Wanderschuhe aus und erkunden die Gegend, in welcher inzwischen ehemalige Gesch\u00fctzstellungen und mythologische Sagen (Stichwort \u201eHeidem\u00e4dchen-Felsbild\u201c) friedlich koexistieren. Ein Wahnsinn, wenn ich bedenke, dass die Gegner vor 100 Jahren hier in dieser traumhaften Kulisse sich gegenseitig sinnlos im Stellungskrieg die Felsw\u00e4nde weggeschossen haben.<\/p>\n<p>Nach dem Gekurve abw\u00e4rts wandern wir ein St\u00fcck entlang des mehrt\u00e4gigen <em>Alpe-Adria<\/em>-Trails, zuerst zum <em>So\u010da-Pot<\/em>\/Ursprung und den t\u00fcrkisblauen Bach flussabw\u00e4rts. Wir begegnen dabei nur wenigen Menschen, daf\u00fcr aber einigen imposanten Schluchten in den Seitent\u00e4lern. Und immer wieder schwankende \u00dcberg\u00e4nge in Form von Drahtseilbr\u00fccken \u00fcber die <em>So\u010da<\/em>. Ein romantisch wie wilder Landschaftsabschnitt.<\/p>\n<p><em>Bove\u010d<\/em> lassen wir rechts liegen und begeben uns direkt nach <em>Kobarid<\/em>, wo wir etwas au\u00dferhalb unser Quartier beziehen. Bei gegrilltem Tintenfisch und Filetsteak genie\u00dfen wir im Gasthaus <em>Jazbec<\/em> die direkte, abendliche Aussicht auf den imposanten <em>Krennberg<\/em>, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krn\"><em>Krn<\/em><\/a> \u2013 ein im Krieg zwischen Italien und \u00d6sterreich hei\u00dfumk\u00e4mpfter Flecken Erde mit einem kuriosen Kriegsverlauf. Zwar konnten die Italiener das Gipfelplateau f\u00fcr sich einnehmen, der Berg geriet aber bald zum \u00f6sterreichisch-ungarischen Hinterland, als die Truppen in einer Blitzaktion bis auf italienisches Terrain vorstie\u00dfen. Die Italiener waren somit eingekreist und mussten sich ergeben.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich ein bisschen wie in einem Roadmovie. Die wenigen Tische bei <em>Jazbec<\/em> sind restlos belegt, es kommen jedoch laufend potenzielle G\u00e4ste und halten am Parkplatz direkt unterhalb der Terrasse. Eine herrlich bunte Mischung an jungen und alten Personen, Singles und Paare, Einheimische und G\u00e4ste, Alternative und Betuchte, in mond\u00e4nen aber auch teilweise abenteuerlichen Karossen, die ihren W\u00fcnschen nach einem Platz mit ihren H\u00e4nden gestikulierend Nachdruck zu verleihen suchen. Vergeblich \u2013 alles voll! Eine f\u00fcr mich belustigende, fast skurrile Szenerie, eingebettet in zwischen mir und der wuchtigen <em>Krn<\/em>, ein nackter, felsiger, anziehender sowie in seiner Kark- &amp; Schroffheit gleichsam absto\u00dfender Berg. Und so schweifen meine Gedanken vom Hier und Jetzt gleich wieder 100 Jahre zur\u00fcck in die f\u00fcr mich so surrealen Kriegsgeschehnisse der Isonzoschlachten des ersten Weltkriegs. Und pl\u00f6tzlich ist es sonnenklar, dass die Profilform des Krennberges einen gefallenen Soldaten gleicht, der markante Spitz als Nase und Licht &amp; Schatten sein Gesicht modellierend. Ich muss ziemlich in Gedanken versunken gewesen sein an diesem Abend, denn zuhause beim Sichten meiner Urlaubsbilder f\u00e4llt mir auf, dass sich doch tats\u00e4chlich kein einziges Bild dieses Bergstocks gemacht habe. Ein Novum.<\/p>\n<p>Ausschlafen ohne Fr\u00fchst\u00fcck. Zu Mittag dann kr\u00e4ftiger Regen und Gewitter in <em>Kobarid<\/em>. Da wird es ganz sch\u00f6n finster und unheimlich in der Bergwelt rund um <em>Kobarid<\/em>. Nass werden wir jedenfalls nicht, denn wir sitzen entspannt im <em>Hisa Franko<\/em> bei Spitzenk\u00f6chin <em>Ana Ros<\/em> zum Mittagessen. It\u2019s Showkitchen-Time \u2013 alles ist eingespielt inszeniert \u2013 von den Gerichten \u00fcber jeden Auftritt des Personals. Kunstvoll arrangiert, auch abwechslungsreich, aber nicht jedes Gericht vermag unseren Gaumen zu erfreuen. Die slowenischen Weine aber schon. Die au\u00dferhalb des Landes wenig bekannten Weine kleiner Erzeuger wissen zu \u00fcberzeugen, richtiggehend Weltklasse! Dies sch\u00e4tzen wahrscheinlich auch Heike und Gernot Heinrich (aus Gols im Burgenland) und genie\u00dfen ebenfalls die Gastfreundschaft dieses Hauses. Am Parkplatz finden sich \u00fcbrigens einige Autos mit \u00f6sterreichischem Kennzeichen wieder. \u00a0Summa summarum ist es ein schmaler Grat in der Spitzengastronomie, zwischen dem eigentlichen Zweck, dem Essen als Hauptdarsteller, und einer \u00fcberteuerten Inszenierung mit Gerichten in Nebenrollen die Gratwanderung zu meistern. Wenn der Gang von der Dekoration nicht mehr zu unterscheiden ist oder in Missverh\u00e4ltnis des Aufwands bzw. der Menge steht, hat der Koch oder die K\u00f6chin den Beruf verfehlt. Fantasie und handwerkliches K\u00f6nnen jedenfalls ist f\u00fcr beide Spielarten von Vorteil \u2013 in der Haute Cuisine als auch im Regietheater ;-).<\/p>\n<p>Meinen Versuchen, die Haltung der hier ans\u00e4ssigen Einwohner zu \u00d6sterreich zu erkunden, wird diplomatisch ausgewichen. Eh klar, zu wichtig ist hier der Tourismus. Eines wird mir aber klar. Italien steht man deutlich kritischer gegen\u00fcber. F\u00fcr Nostalgie ist hier im Tal angesichts der Gr\u00e4uel der Vergangenheit sowie der jugoslawischen Ar\u00e4 kein Platz. Die Leute sind froh, am nationalen Ziel angekommen zu sein. Slowenien.<\/p>\n<p>Am Nachmittag ist der Himmel wieder vers\u00f6hnt und so besuchen wir das monumental faschistische Gebeinhaus in <em>Kobarid<\/em>. Architektonische Parallelen zum Isonzoschlacht-Denkmal in <em>Redipuglia<\/em> sind nicht zu \u00fcbersehen, sowie das von der EU ausgezeichnete Kriegsmuseum. Grauslich, unvorstellbares Leid hat dieser erstmals mit industrieller Waffentechnik gef\u00fchrte Krieg \u00fcber weite Teile Europas gebracht.<\/p>\n<p>\u00dcber dem Gebeinhaus m\u00f6chte ich eine Luftaufnahme mit dem Kopter erstellen. Am h\u00f6chsten Punkt f\u00e4ngt pl\u00f6tzlich der Kompass an zu spinnen und das Ger\u00e4t driftet seitlich weg. Mir stehen die Schwei\u00dfperlen auf der Stirn, zum Gl\u00fcck bringe ich das Ding manuell heil runter. Wahrscheinlich ist im Denkmal zu viel Eisen verbaut und das beeinflusst dann den Kompass? Zum Gl\u00fcck bekomme ich das Ding heil herunter \u2013 ben\u00f6tige danach aber ein paar Schritte zur Beruhigung meines Pulses und spaziere den Kreuzweg mit sehenswerten Darstellungen hinunter in den Ort.<\/p>\n<p>Ab nach <em>Tolmin<\/em>, vorbei am Burgberg in Richtung <em>Zatolmin<\/em>. Dort wartet die n\u00e4chste Klamm inklusive Teufelsbr\u00fccke auf uns. Jedenfalls mit viel weniger Gedr\u00e4nge im direkten Vergleich zu Bled. Sie ist auch romantischer gelegen, sowie mit einer abwechslungsreicheren Rauf-Runter- Streckenf\u00fchrung versehen. Sehenswert. Wir fahren nach <em>Most na So\u010di<\/em>. Dort, eingebettet in eine gr\u00fcne, liebliche H\u00fcgellandschaft, ist die <em>So\u010da<\/em> gr\u00fcn, fast t\u00fcrkis, breit und flach. Und wird von einem Ausflugsschiff Marke \u201eM\u00f6chtegern-Mississippidampfer\u201c flu\u00dfaufw\u00e4rts bis zur M\u00fcndung der <em>Tolminka<\/em> (die aus der <em>Tolminer<\/em>-Klamm kommt) befahren. Ein gut gelaunter, b\u00e4rtiger Schiffskapit\u00e4n holt alle Damen zu sich, setzt ihnen sein Kapit\u00e4nskapperl auf und l\u00e4sst sich, die Frauen k\u00fcssend, von den Ehem\u00e4nnern dabei fotografieren. Hernach folgt zur Vers\u00f6hnung der Eifers\u00fcchtigen seinerseits das Angebot f\u00fcr ein Gruppenfoto &#x1f60a;. Seine Frau samt Tochter k\u00fcmmern sich einstweilen ums leibliche Wohl der G\u00e4ste. So werden die Gel\u00fcste aller einigerma\u00dfen zufriedengestellt. Das Schifferlfahren jedenfalls verschafft Abk\u00fchlung an hei\u00dfen Sommertagen, so l\u00e4sst sich ein Urlaubsnachmittag ganz entspannt verbringen.<\/p>\n<p>Weiter geht\u2019s \u00fcber eine landschaftlich nicht mehr so reizvolle Strecke der <em>So\u010da<\/em> entlang in Richtung Italien, wo der Fluss sich dann in <em>Isonzo<\/em> umbenennt. Beim Ort <em>Kanal<\/em> gr\u00e4bt der Fluss durch seine starke Erosion noch eine tiefe Trogschlucht ins Gel\u00e4nde und hinterl\u00e4sst so einen nachhaltigen Eindruck, bevor wir via <em>G\u00f6rz<\/em>, <em>Montfalcone<\/em> und <em>Sistana<\/em> entlang der nicht minder sch\u00f6nen Steilk\u00fcstenstra\u00dfe SS14 nach <em>Triest<\/em> fahren. Zur\u00fcck in jenes <em>Triest<\/em>, das bei unserem ersten Besuch vor ein paar Jahren unmittelbar meine Zuneigung erobert hat. Aber das ist eine andere Geschichte\u2026 .<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"width: 640px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-1991-1\" width=\"640\" height=\"360\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/videos\/VrsicTolminKobarid.mp4?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/videos\/VrsicTolminKobarid.mp4\">http:\/\/www.refro.at\/refroto\/videos\/VrsicTolminKobarid.mp4<\/a><\/video><\/div>\n<hr \/>\n<p>Tipp zum Ansehen der Bilder: Wem die wechselnde Gr\u00f6\u00dfe der Bilder und die damit einhergehende wechselnde Position der Pfeile zum Weiterbl\u00e4ttern nervt, der klickt einfach auf das Bild und bl\u00e4ttert nun, bei konstanter Position der Pfeile, im Vollbildmodus durch die Gallerie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am n\u00e4chsten Tag brechen wir auf in Richtung Kranjska Gora. 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