{"id":2023,"date":"2022-04-18T13:45:23","date_gmt":"2022-04-18T11:45:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/wp2\/?p=2023"},"modified":"2022-04-18T13:45:23","modified_gmt":"2022-04-18T11:45:23","slug":"shanghai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/foto.refro.at\/?p=2023","title":{"rendered":"Shanghai"},"content":{"rendered":"<p>Aktuell ist <em>Shanghai<\/em> wieder pr\u00e4sent in den Medien. Die durch den chinesischen Staatsmann verordnete \u201eNull-Toleranz-Politik\u201c gegen\u00fcber dem Covid-Virus in China f\u00fchrt zu einer dramatischen (Versorgungs-)Lage in der Metropole. Und in den sozialen Medien machen verst\u00f6rende Bilder von M\u00e4nnern in wei\u00dfen Schutzanz\u00fcgen die Runde. So \u00e4ndern sich die Zeiten! War es fr\u00fcher der Smog, der die Stadt in die Schlagzeilen brachte, sind es dieser Tage neben Meldungen zur Pandemie auch die Wirtschaftsthemen mit Intimfeind USA sowie Probleme mit dem G\u00fctertransport zur See in Richtung Europa (Stichwort: Lieferzeiten &amp; Containerknappheit).<\/p>\n<p>So erscheint mir aktuell ein guter Zeitpunkt zu sein, um kurz innezuhalten und an meine erste Begegnung mit <em>Shanghai<\/em> im Dezember 2018 zu erinnern. Dort war die Welt noch \u201ehalbwegs in Normalit\u00e4t behaftet\u201c \u2013 aber \u201ebig brother is watching you\u201c galt auch bereits in vollem Umfang zu dieser Zeit.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hat jeder seine eigenen Vorstellungen, wie es wohl sein wird, wenn man zum ersten Mal nach China kommt. Einige davon werden wohl erf\u00fcllt, andere nicht bzw. erweisen sich schlichtweg als falsch. Klar war f\u00fcr mich aber, dass ich dem \u201eechten &amp; wirklichen\u201c China bei meinem Besuch in <em>Shanghai<\/em> wohl nicht begegnen werde.<br \/>\nUnd doch war ich nat\u00fcrlich gespannt, was mich in der \u00f6stlichen Wirtschaftsmetropole erwarten w\u00fcrde und wie weit sie ein eigenes Flair umgeben wird? Das ist nat\u00fcrlich eine naive Vorstellung, denn jede Gro\u00dfstadt besitzt einen speziellen, ganz unverwechselbaren Charakter! Und da ich auch ein paar Stunden in Richtung <em>Wuxi<\/em> ins Landesinnere unterwegs war, habe ich doch auch erste Impressionen des Landes abseits der Millionenstadt gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Shanghai<\/em> \u2013 w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt: (Stadt) \u00fcber dem Meer \u2013 ist mit jenseits der 20 Millionen Einwohnern eine der gr\u00f6\u00dften Metropolen unserer Welt. Und was ich bei meinem Businesstrip zu sehen bekommen habe, hat mich doch \u00fcberrascht: die Ruhe und Zivilisiertheit ihrer Einwohner, die Anzahl der Elektrofahrzeuge \u2013 kein einziges Stinke- &amp; Knattermoped mehr \u2013 die Vielfalt und Qualit\u00e4t des Essens, die Skyline von Pudong (schlichtweg sehr, sehr beeindruckend) und die Trinkfestigkeit der Chinesen in Punkto Schnaps. Und nat\u00fcrlich auch die M\u00f6glichkeit, mit der Magnetschwebebahn Transrapid von der Longroad-Station zum Flughafen zu reisen \u2013 aber das ist ein klassisches Beispiel von West-Import \u201eMade in Germany\u201c.<\/p>\n<p>Aber alles der Reihe nach. Die Aussicht vom <em>Okura Garden<\/em>-Hotelzimmer in einer der oberen Etagen ist schon ganz ok. Alt und Neu sowie Niedrig und Hoch in einem friedlichen Nebeneinander.<\/p>\n<p>Zum Schmunzeln fand ich das vollautomatisierte, stille \u00d6rtchen im Hotelzimmer. Ein High-Tech-Wunder fern\u00f6stlicher Herkunft, zu dessen Bedienung es mindestens ein Diplom ben\u00f6tigt! Hat man aber einmal den Dreh der Bedienung herau\u00dfen, soll es den Erz\u00e4hlungen nach Personen geben, die f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit das Bad nicht mehr verlassen wollten &#x1f609;.<br \/>\nLetzteres galt f\u00fcr mich eher f\u00fcr die in der obersten Etage angesiedelte Sky-(Wein)-Bar. Alle fl\u00fcssigen Sch\u00e4tze werden im Foyer in meterhohen Edelstahl-Glas-Vitrinen liegend zur Schaugestellt. Die wird die Wahl zur Qual \u2013 nicht nur der Vielfalt wegen, sondern auch wegen einer sehr exklusiven Preisgestaltung.<\/p>\n<p>Bei Anbruch der D\u00e4mmerung machen wir uns zu Fu\u00df auf den Weg zum \u201eBund\u201c. Entlang der <em>Huaihai Middle Road<\/em> flanieren die (deutschen) Luxuskarossen \u2013 Reichtum wird hier offen zur Schau gestellt \u2013 und es sind viele der westlichen Flagship-Stores hier angesiedelt. Beliebig zu all den anderen Gro\u00dfst\u00e4dten und einfach austauschbar. Viel interessanter sind da die zahlreichen Lebensmittelgesch\u00e4fte mit (f\u00fcr mich oftmals nicht zu identifizierbaren) Inhalten, ein Spektakel an Farben und Formen, Vielfalt, von denen wir in Westeuropa nur tr\u00e4umen k\u00f6nnen. Ob ich einiges davon aber auch auf meinem Teller haben m\u00f6chte, das ist eine andere Frage.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich stehen wir am Ufer des <em>Huangpu<\/em> am \u201e<em>The Bund<\/em>\u201c und blicken in ein hellerleuchtetes und animiertes Lichterspektakel auf der anderen Seite in Richtung <em>Pudong<\/em>. Der <em>Huangpu<\/em> \u2013 \u201eFluss am gelben Ufer\u201c \u2013 teilt <em>Shanghai<\/em> von s\u00fcdwestlicher in nord\u00f6stlicher Richtung in zwei H\u00e4lften und m\u00fcndet dann in den <em>Janktsekiang<\/em>, den \u201elangen Strom\u201c.<\/p>\n<p>Wow!<br \/>\nNur Hochh\u00e4user allein, das war gestern! Hier regiert ein grell bunt erleuchtetes Lichtermeer, flackernd und flirrend, jede Fassade agiert als Multimedia-Leinwand. Dazu die architektonisch abwechslungsreich gestaltete Skyscraper-Architektur \u2013 das ist eine neue Dimension urbaner Effekthascherei f\u00fcr mich! Da f\u00e4llt mir beim Hinschauen erstmals nur die Kinnlade runter. Das ist visuelle \u00dcberforderung \u2013 sensual overload!<br \/>\nHier schl\u00e4gt die Gigantomanie Chinas durch, der staatlich verordnete Wille, dem Westen Paroli bieten zu k\u00f6nnen. Nein, nur auf Augenh\u00f6he zu sein, das w\u00e4re f\u00fcr das Reich der Mitte ein zu wenig ambitionierter Plan. Dem Rest der Welt die eigene \u00dcberlegenheit zur Schau zu stellen, dem Westen und vor allem den USA zu zeigen, wer in technologischen Aspekten als auch gesellschaftlich Sozialem die F\u00fchrung innehat, das ist die manifestierte \u00dcberschrift dieses KP-Drehbuchs hier.<\/p>\n<p>Doch schnell adaptieren sich meine Augen und finden Gefallen an den \u00fcberdimensionierten Werbeplakaten an den Hochhausfassaden. Und mittendrin der <em>Oriental Pearl Tower<\/em> sowie ein \u201e\u00fcberdimensionierter Flaschen\u00f6ffner\u201c \u2013 das <em>Shanghai World Financial Center<\/em> gleich neben dem mit 632 m h\u00f6chsten Geb\u00e4ude der Stadt, dem 127-st\u00f6ckigen, gewundenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_h%C3%B6chsten_Geb%C3%A4ude_in_Shanghai\"><em>Shanghai Tower<\/em><\/a>.<\/p>\n<p>Und entlang der Flaniermeile am \u201e<em>The Bund<\/em>\u201c ist jedenfalls einiges los. Menschen flanieren entlang des Flusses und str\u00f6men auf die zahlreichen Ausflugsboote. Hier scheint die im goldenen Gelb beleuchtete, klassizistisch gestaltete \u201ealte Welt\u201c am Westufer mit der Moderne im Osten zu ringen. Ein jedenfalls spannungsgeladener Dialog, eine Metapher und ein Sinnbild f\u00fcr den Aufbruch Chinas in die Moderne? Jedenfalls gelungen!<br \/>\nWir spazieren in Richtung Norden zur <em>Waibaidu<\/em>-Br\u00fccke. Vorbei geht\u2019s an martialischen Heldenstatuen wie dem ehemaligen Au\u00dfenminister <em>Marschall Chen Yi<\/em> neben kunstvoll dekorierten Blumenmauern mit zahlreich integrierten \u00dcberwachungskameras. So ist das eben in China. Der Deal lautet: Freiheit und Wohlstand im Gegenzug zu kontrolliertem und systemkonformem Verhalten der B\u00fcrger. Und immer wieder das Rot als starkes Symbol Chinas. Fotoshooting mit einem feschen Model, topless bei Temperaturen nur knapp \u00fcber dem Gefrierpunkt. Und nat\u00fcrlich ganz in Rot gekleidet. Ganz genauso wie das Volkshelden-Denkmal bei der M\u00fcndung des <em>Suzhou<\/em>-Flusses in den <em>Huangpu<\/em>.<\/p>\n<p>Von dort ist auch die illuminierte <em>Waibaidu<\/em>-Br\u00fccke gut zu fotografieren. Sie ist die einzig noch bestehende Fachwerksbr\u00fccke <em>Shanghais<\/em> (gebaut von einem amerikanischen Unternehmen aus Cleveland) und weckt bei mir Erinnerungen an die alte Linzer Eisenbahnbr\u00fccke. Die vom mir im Bild eingefangene Szenerie mit dem am gegen\u00fcberliegenden Ufer hinter der Br\u00fccke stehenden, geschichtstr\u00e4chtigen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Broadway_Mansions\"><em>Broadway Mansions-Hotel<\/em><\/a> weckt gespenstische Assoziationen aus einem Spionagethriller aus Zeiten des kalten Krieges. \u201eBr\u00fccke ohne Wiederkehr\u201c f\u00e4llt mir dazu spontan als Filmtitel ein &#x1f609;. Und da hilft auch nicht die Tatsache, dass das Hotel im <em>Art Deco<\/em>-Stil erbaut wurde und die Br\u00fccke den historischen Namen \u201e<em>Garden-Bridge<\/em>\u201c getragen hat. Bei Nacht ein Ort des Schreckens!<\/p>\n<p>Alles in allem jedenfalls ist die Skyline der Stadteile <em>Pudong<\/em> und <em>Huangpu<\/em> entlang des Abschnitts am gleichnamigen Fluss wirklich sehenswert. Zu n\u00e4chtlicher Stunde ein imposantes Schauspiel, die Illumination verst\u00e4rkt das Farbenspiel, am Tag verschwindet alles eher im Einheitsgrau der Stadt.<\/p>\n<p>Uns auch das Essen in <em>Shanghai<\/em> ist vom Feinsten. Gemeinsames Speisen und Trinken geh\u00f6rt in China zum t\u00e4glichen sozialen Umgang. Dabei wird bei G\u00e4sten eher geklotzt, denn gekleckert. Die chinesische K\u00fcche (die es so als \u00dcberbegriff der jeweiligen regionalen Kantonsunterschiede beim Essen ja gar nicht gibt) ist enorm abwechslungsreich und schmackhaft. Und am runden Tisch mit dem Drehteller kann jederzeit auf alle Speisen rasch zugegriffen werden. Die ganze Vielfalt Chinas l\u00e4sst sich an einem einzigen Abend entdecken! Kein Wunder, dass sich die Chinesen mit unserer Langnasen-K\u00fcche, die sich immer auf ein paar wenige ausgesuchte Gerichte zur Speisenfolge beschr\u00e4nkt, nur schwer anfreunden k\u00f6nnen. Wer m\u00f6chte sich schon beschr\u00e4nken, wenn er tagt\u00e4glich die gesamte Auswahl haben kann? Das Preisniveau der Lokale reicht von spottbillig bis unerschwinglich \u2013 ein Preisband, das jede Geldtasche und jeden Anspruch zufriedenstellt.<\/p>\n<p>Jedenfalls \u2013 und das sei nur noch der Vollst\u00e4ndigkeit halber angef\u00fchrt, weil dies eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit des Wissens sein sollte \u2013 hat das China-Restaurant bei uns um die Ecke mit der hier dargebotenen K\u00fcche nur sehr wenig gemeinsam.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich bin ich mit der Magnetschwebebahn \u2013 dem <em>Transrapid<\/em> bzw. hier in <em>Shanghai<\/em> lokal <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transrapid_Shanghai\">Shanghai Maglev Train<\/a><\/em> genannt \u2013 in Richtung Flughafen gefahren. Wir haben extra das Zeitfenster am Vormittag gew\u00e4hlt, um die unglaubliche H\u00f6chstgeschwindigkeit von 430km\/h zu erreichen. Exakt 7\u2018 20\u2018\u2018 ben\u00f6tigt der <em>Shanghai Maglev Train<\/em> f\u00fcr die 30 km lange Strecke. Keine volle Minute kann die H\u00f6chstgeschwindigkeit gehalten werden, denn rund 12.5 km wird zum Beschleunigen als auch wiederum f\u00fcr die Verz\u00f6gerung bis zum Stillstand ben\u00f6tigt. Jedenfalls ein tolles Erlebnis f\u00fcr europ\u00e4ische Verh\u00e4ltnisse, auch wenn das Innenleben des Zuges bereits ein wenig mitgenommen aussieht. Mit einem Preis von 50 Renminbi (~ 7 \u20ac) ist die Fahrt in unserer Welt preiswert, hier entspricht dies dem 10-fachen der innerst\u00e4dtischen U-Bahn-Fahrkarte. Vielleicht ist dies auch mit ein Grund, warum die Strecke unter Auslastungsproblemen leidet und defizit\u00e4r wirtschaftet.<\/p>\n<p>Hier in <em>Shanghai<\/em> gibt es wohl Sehensw\u00fcrdigkeiten f\u00fcr mehr als eine Woche, da vermag ein Abendspaziergang nur impressionistisch einen Bruchteil der Attraktionen einzufangen. Aktuell schaut es aber durch die rigorosen Quarant\u00e4nebestimmungen nicht so aus, wie wenn es bald m\u00f6glich w\u00e4re, sein Wissen \u00fcber diese Stadt weiter vertiefen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--[video mp4=\"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/videos\/shanghai1_k.mp4\"][\/video]\n\n--><\/p>\n<hr \/>\n<p>Tipp zum Ansehen der Bilder:<br \/>\nIrritiert von der wechselnde Position der Pfeile zum Weiterbl\u00e4ttern der Bilder, welche durch die unterschiedliche Bilderr\u00f6\u00dfe bedingt ist? Dann klick&#8216; einfach direkt auf das Bild und bl\u00e4ttere nun, bei konstanter Position der Pfeile, im Vollbildmodus durch die Bildergallerie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktuell ist Shanghai wieder pr\u00e4sent in den Medien. 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