{"id":2166,"date":"2021-09-11T13:57:20","date_gmt":"2021-09-11T11:57:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/wp2\/?p=2166"},"modified":"2021-09-12T11:50:45","modified_gmt":"2021-09-12T09:50:45","slug":"slowenien-iii-lipica-grotten-das-wippbachtal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/foto.refro.at\/?p=2166","title":{"rendered":"Slowenien III \u2013 Lipica, Grotten &#038; das Wippbachtal"},"content":{"rendered":"<p><em>Lipizza<\/em> bzw. in slowenischer Landessprache <em>Lipica<\/em> liegt nur eine Handvoll Kilometer im Karsthinterland von Triest und ist die urspr\u00fcngliche Heimat der ber\u00fchmten wei\u00dfen Pferde. Gegr\u00fcndet in der Habsburger Monarchie f\u00fcr Repr\u00e4sentationszwecke, schaffte es diese Rasse durch ihre Dressurgelehrigkeit in die Spanische Hofreitschule nach Wien. W\u00e4hrend des ersten Weltkriegs wurden die Pferde ua. in den \u00f6sterreichischen Ort <em>Piber<\/em> verlegt und seitdem steht <em>Lipca<\/em> im Schatten der \u00d6sterreicher.<br \/>\nImposant ist jedenfalls die Zufahrt zum Gest\u00fct \u2013 eine kurvenreiche, schier nicht enden wollende Stra\u00dfe, wei\u00df eingez\u00e4unt mit zahlreich gepflanzten B\u00e4umen \u2013 ein Eldorado f\u00fcr die edlen Pferde. Besucher k\u00f6nnen sich frei am Gel\u00e4nde bewegen, die Stallung besuchen und auf Tuchf\u00fchlung mit den interessierten Pferden gehen und f\u00fcr alle Hintergrundinformationen an gef\u00fchrten Touren teilnehmen. Der Besuch der Reit\u00fcbungsstunden kostet extra, findet in einer gespenstisch wechselnden gr\u00fcn-blau ausgeleuchteten Reithalle statt und wird mit einer seltsam monotonen Stimme mehrsprachig kommentiert. Das \u00dcben des einen oder anderen Kunstst\u00fcckes, auf das wir insgeheim gehofft hatten, findet nicht statt, ja nicht einmal ein Arbeitsprogramm ist f\u00fcr mich erkennbar und so kann dieser Besuchspunkt jedenfalls getrost eingespart werden, ohne im Nachhinein bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, irgendetwas Wesentliches verabs\u00e4umt zu haben.<\/p>\n<p>St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck wird hier an der weitl\u00e4ufigen Anlage renoviert und wer am h\u00f6chsten Punkt, dem historischen Zentrum samt Schloss und Kapelle steht, die alten, herrschaftlichen Ansichten des Anwesens auf der Schautafel betrachtet und die Allee Richtung Triest hinunterblickt, der w\u00fcnscht sich, dass dieses Gest\u00fct m\u00f6glichst bald zu seiner einstigen Gr\u00f6\u00dfe zur\u00fcckkehren m\u00f6ge. Mit dem mE. \u00e4u\u00dferst gelungen, interaktivem Museum geht alles in die richtige Richtung. Besuchspunkt abgehakt.<\/p>\n<p>Wir verlassen den Karst Richtung Nordosten auf der E61. Unser n\u00e4chster Stopp steht im Zeichen einer H\u00f6hlenbesichtigung. Nachdem uns die <em>Adelsburger Grotte<\/em> in <em>Postoijna<\/em> zu touristisch &amp; bekannt erscheint, entscheiden wir uns stattdessen f\u00fcr den Besuch der Grotte <em>von St. Kanzian<\/em> bzw. slowenisch <a href=\"https:\/\/www.park-skocjanske-jame.si\/de\/\"><em>\u0160kocjanske jame<\/em><\/a>, die seit 1986 in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen wurde. Und au\u00dferdem habe ich erstere als Kind bereits besucht \u2013 auch wenn ich mich daran nicht erinnern kann. Jedenfalls war das damals noch zu <em>Josip Broz Titos<\/em> Zeiten im ehemaligen <em>Jugoslawien<\/em>. Diese Epoche hat Slowenien nun schon lange hinter sich gelassen!<\/p>\n<p>Die H\u00f6hle wurde vom Karstfluss <em>Reka<\/em> geformt, der mit dem Regen zuerst Kalk aus dem Karstgestein ausschwemmt hat und hernach durch den Einsturz dieser R\u00e4ume \u00fcber dem Fluss Dolinen, dh. Einsturztrichter, formt.<br \/>\nVom Besucherzentrum geht&#8217;s zuerst in gut 15\u2019 bergab in eine dieser gro\u00dfen Senken, bevor die F\u00fchrer uns Besuchern die T\u00fcr ins Berginnere \u00f6ffnen. Auf einem sehr komfortabel ausgebauten Treppenweg marschieren wir dann von H\u00f6hle zu H\u00f6hle, entlang bizarrer, wundersch\u00f6n ausgeformter Tropfsteine. Alles endet im Freien, dem \u201egro\u00dfen Tal\u201c, wo auch ein Aufzug die Besucherstr\u00f6me zur\u00fcck zum Ausgangspunkt bringt. Ich entscheide mich f\u00fcr den Gehweg zur\u00fcck, bietet dieser doch noch einen Blick auf die tosende <em>Reka<\/em> sowie in eine weitere H\u00f6hle. Und die paar Stufen mehr zum Ausstieg sind jetzt auch nicht mehr von Belang. Definitiv sehenswert!<\/p>\n<p>Unser Abendziel ist <em>Landol<\/em>, ein kleines \u00d6rtchen in der N\u00e4he des weithin sichtbaren <em>Nanos<\/em>-Bergstocks, der das s\u00fcdliche Ende der <em>Julischen Alpen<\/em> sowie das Nordende des slowenischen Karsts repr\u00e4sentiert. Wir beziehen Quartier bei einem finnisch-wallischem Ehepaar, <em>Hanna<\/em> und <em>Chris<\/em>, welche sich in Slowenien ihren Lebenstraum erf\u00fcllt haben. Weit gereist, haben sie ihren Brotberuf in London aufgegeben, um in ihrer <em>Lippizaner-Lodge<\/em> G\u00e4ste aus aller Welt zu beheimaten und die Sch\u00f6nheit ihrer Neo-Heimat Slowenien zu promoten. Gelebter Europ\u00e4ismus nenne ich sowas! Chris hat einen Ordner voller Wissen ink. Auspflugs- &amp; Einkaufstipps der Umgebung f\u00fcr seine G\u00e4ste angelegt. Darin wird ein Jeder f\u00fcndig!<br \/>\nToplogisch gesehen liegt die Gegend um <em>Landol<\/em> und den <em>Nanos<\/em>-Berg hervorragen, rasch ist das Meer erreicht und ebenso befindet man sich Nahe der Alpen bzw. den St\u00e4dten <em>Triest<\/em> und <em>Laibach<\/em> sowie die Weinregion <em>Wippbachtal<\/em> Richtung <em>Friaul<\/em>. Hier verl\u00e4uft auch die Klimagrenze zwischen dem gem\u00e4\u00dfigten Kontinental- und submediterranen Klima.<\/p>\n<p>In gem\u00fctlicher 1h-Spazierweg-Distanz liegt die m\u00e4chtige H\u00f6hlenburg <em>Lueg<\/em> \u2013 <em>Predjamski grad<\/em>. Ein wahres Schmuckst\u00fcck, die Burg liegt uneinnehmbar an den Felsen angelehnt und bietet zudem einen geheimen H\u00f6hlengang, der auf den Berggipfel f\u00fchrt. Ein Bubentraum! Nat\u00fcrlich existiert auch eine sagenhafte Geschichte von einem Raubritter, <em>Erasmus von Luegg<\/em>, in dem der Geheimweg eine wichtige Rolle spielt.\u00a0 Schlussendlich endete die Geschichte von <em>Erasmus<\/em> aber auf eine unr\u00fchmlich, tragisch-komische Art &amp; Weise: er wird am Abort von einem seiner Diener mit einer Kanonenkugel erschlagen.<\/p>\n<p>Nut\u00fcrlich kann auch die \u00fcber mehrere Ebenen gelegene H\u00f6hle besichtigt werden \u2013 wir haben aber in diesem Urlaub bereits gen\u00fcgend Schluchten, Klammen und H\u00f6hlen auf unserem Besichtigungskonto gesammelt und entschlie\u00dfen uns diesmal zugunsten der Burgbesichtigung. Dass die H\u00f6hlengruppe im bunten, wasserfesten \u00d6lzeugs anger\u00fcckt kommt, best\u00e4tigt unsere Entscheidung und l\u00e4sst uns augenzwinkernd zum Burgeingang hochspazieren. Die Burg ist gut renoviert und zeigt auch sehr sch\u00f6n die Ausgestaltung der Innenr\u00e4umlichkeiten sowie einer kleinen, aber feinen Waffensammlung \u2013 grausliches Ger\u00e4t in Form von Morgenstern, Streitkolben und -axt.<\/p>\n<p>Den Nachmittag verbringen wir dann im <em>Wippbachtal, Vipava<\/em> \u2013 Wine Shopping ist angesagt. Beim Umrunden des <em>Nanos<\/em> bereue ich es, hier keinen weiteren Tag mit der Besteigung dieses tollen Aussichtspunktes verbringen zu k\u00f6nnen. Mein Trost: dies wird ein fixer Programmpunkt bei unsrer Wiederkehr (zB. auf dem Weg nach <em>Istrien<\/em>). Das Hochplateau des <em>Nanos<\/em> begleitet wie ein gro\u00dfer Bruder seine kleine Schwester, das <em>Wippbach<\/em>-Fl\u00fcsschen.<br \/>\nWir verlassen bei <em>Lo\u017ee<\/em> die eint\u00f6nig gerade Bundesstra\u00dfe und handeln uns am westlichen H\u00f6henzug entlang der kleinen D\u00f6rfer <em>Man\u010de, Go\u010de, Erzelj<\/em> sowie der Weinreben Richtung Norden vor und kommen so von der \u201eMaschekseite\u201c an unser Ziel, den Ort <em>Vipano<\/em>.<\/p>\n<p>Auf dem Weg dorthin locken erwanderbare Kapellen und Kirchen auf den H\u00fcgeln, perfekte Aussichtspunkte, ein eindr\u00fcckliches Kriegsdenkmal &#8211; ganz gestaltet aus Gewehr- und Pistolenrelikten des zweiten Weltkriegs, schrottreife <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tovarna_Automobilov_in_Motorjev\"><em>TAM<\/em><\/a>-LKWs, denen ein zweites Leben als wetterfestes Bienenheim eingehaucht wurde und kunstvoll kultivierte, in den Hang geschnittene Rebzeilen beim <em>Guerila<\/em>-Weingut. Das Ganze wird jederzeit von einem herrlichem Blick auf das \u00f6stlich gelegene <em>Nanos<\/em>-Plateau flankiert.<\/p>\n<p>Die mit \u00fcber 170 verschiedenen Weinen gut best\u00fcckte Gebietsvinothek in <em>Vipava<\/em> l\u00e4sst dann mein Weinherz h\u00f6herschlagen. Selten habe ich so viele innovative, kleinstrukturierte und experimentierfreudige, auf hohem Niveau agierende Weing\u00fcter mit tlw. autochthonen Rebsorten der Region (zB. <em>Pinela, Pikolit &amp; Zelen, Rebula &amp; Refo\u0161k<\/em>, die auch im angrenzenden, italienischem <em>Collio<\/em> gedeihen) wie hier in Slowenien kennengelernt. Ein wahrliches Gaumen-Eldorado f\u00fcr aufgeschlossene Weintrinker! Und als w\u00e4re das nicht schon genug, wurde mir auch noch das Gl\u00fcck einer \u00fcberaus charmanten Sommeli\u00e8re zuteil, die mich fachkundig durch das Sortiment und Subregionen f\u00fchrte. Nachdem der Kofferraum mit einigen fl\u00fcssigen K\u00f6stlichkeiten best\u00fcckt wurde, spazieren wir durch den im Park vor dem Herrschaftshaus und Schloss <em>Manor Lanthieri<\/em> \u2013 heute Teil der Universit\u00e4t <em>Nova Gorica<\/em>. Ein kleines, feines Abendessen mit lokalen Spezialit\u00e4ten gab es dann auf Empfehlung der Vinothek-Miratbeiterinnen in der Bar \u201e<em>at Marjanca\u201c<\/em>, unser Kellner tr\u00e4gt wei\u00dfe Handschuhe beim Servieren \u2013 ganz die alte Schule.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck im Quartier der <em>Lippizaner Lodge<\/em> hei\u00dft es Koffer packen \u2013 morgen geht\u2019s f\u00fcr den Urlaubsabschluss noch f\u00fcr ein paar Tage nach <em>Lublijana<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bisherige Beitr\u00e4ge: <a href=\"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/wp2\/?p=1972\">Slowenien I \u2013 Rund um Bled<\/a>\u00a0 | <a href=\"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/wp2\/?p=1991\">Slowenien II \u2013 Triglav &amp; So\u010da<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lipizza bzw. in slowenischer Landessprache Lipica liegt nur eine Handvoll Kilometer im Karsthinterland von Triest und ist die urspr\u00fcngliche Heimat der ber\u00fchmten wei\u00dfen Pferde. 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