{"id":2192,"date":"2022-04-09T11:19:44","date_gmt":"2022-04-09T09:19:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/wp2\/?p=2192"},"modified":"2022-09-01T19:02:20","modified_gmt":"2022-09-01T17:02:20","slug":"auf-dem-eck-und-der-hochburg-in-sueddeutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/foto.refro.at\/?p=2192","title":{"rendered":"&#8222;Auf dem Eck&#8220; und der Hochburg in S\u00fcddeutschland"},"content":{"rendered":"<p>Dass ich neben der Fotografie auch eine Leidenschaft f\u00fcr Wein hege, ist kein Geheimnis. So wie jedes Foto durch das kreative Auge, der unterschiedlichen Perspektive eines Fotografen und den nachfolgenden Post-Processing-Schritten eine ganz individuelle Note erh\u00e4lt, so \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich auch beim Wein.<br \/>\n<em>Lage x Rebsorte x Winzer x Mikroklima x Weingartenbewirtschaftung x Jahrgang x Kellertechnik<\/em> ergibt in Summe ein sehr breites Feld an Varianz. Willkommen in einer faszinierenden Welt der schier unendlichen Vielfalt von Stilistik und Geschmack! Und wie auch in anderen Fachdom\u00e4nen \u2013\u00a0 zB. der Fotografie oder der Musikreproduktion \u2013 gilt beim Rebensaft ebenso: was am Anfang zB. bei der Aufnahme bzw. Belichtung oder Weingartenpflege verabs\u00e4umt wird, ist am Ende der Prozesskette zumeist unwiderruflich verloren oder weniger dramatisch ausgedr\u00fcckt: zumindest mit erheblichen Qualit\u00e4tseinbu\u00dfen behaftet.<\/p>\n<p>Ende des kleinen Exkurses und der Analogien &#x1f60a;. Punkt.<\/p>\n<p>Wenn ich bei der Planung einer Reise zuf\u00e4llig draufkomme, dass sich eine bekannte Weinregion in der N\u00e4he befindet, dann freue ich mich nat\u00fcrlich, denn die Chancen stehen nicht schlecht, dass ich in meinem bisherigen Leben als \u201eReblaus\u201c bereits eine Flasche aus diesen Gefilden geleert habe k\u00f6nnte. Und eine Weinregion in ihrer Topologie sowie klimatischen Eigenheiten einmal gesehen und erf\u00fchlt zu haben, kann zum Verst\u00e4ndnis des Weins selbst hilfreich sein. Ein kleiner Mosaikstein im gro\u00dfen Weinuniversum.<\/p>\n<p>Zielregion (einer Dienstreise) war der s\u00fcdwestlichste Teil Deutschlands \u2013 in der N\u00e4he von <em>Freiburg<\/em>. Das ist das sonnenreichste und w\u00e4rmste Gebiet nicht nur des Bundeslandes <em>Baden-W\u00fcrttembergs<\/em>, nein angeblich sogar von ganz Deutschland. Und die Reben des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kaiserstuhl_(Gebirge)\"><em>Kaiserstuhls<\/em><\/a> profitieren davon. Ein guter Platz f\u00fcr Weine aus der Burgunderfamilie: <em>Pinot Blanc, Pinot Gris, Pinot Noir<\/em> und <em>Chardonnay<\/em> \u2013 \u00a0das muss hier jetzt auch Franz\u00f6sisch sein, denn die Grenze zum benachbarten <em>Elsass<\/em>, markiert durch den gut sichtbaren Rhein, befindet sich nur einen Katzensprung vom <em>Kaiserstuhl<\/em> entfernt. Einer der Weinh\u00e4ndler meines Vertrauens bietet Weine von <a href=\"https:\/\/www.weinhalle.de\/holger-koch.html\"><em>Holger Koch<\/em><\/a> aus <em>Bickensohl<\/em>. Und ich kenne diese seit Jahren \u2013 biologischer Anbau, Handlese, spontan (teils auf der Maische) vergoren, Ausbau im gro\u00dfen Holzfass und unfiltriert auf die Flasche gezogen. Eine harmonische und mir sehr sympathische Weinlinie. Durch und durch empfehlenswert. Genug der Werbung jetzt.<br \/>\nEin Wermutstropfen bleibt aber: denn nicht viele \u00d6sterreicher kaufen deutschen Wei\u00dfwein. Ein Jammer. Zu \u00fcberzeugt und patriotisch sind wir oftmals von unseren eigenen Weinen. Ein bisschen zu engstirnig vielleicht? Sind uns unsere Nachbarn doch im Wei\u00dfweinbereich (meiner bescheidenen Meinung nach) mehr als nur ebenb\u00fcrtig und haben eine gro\u00dfartige Vielfalt an Weinlandschaften und Winzerpers\u00f6nlichkeiten zu bieten. So wie wir in \u00d6sterreich eben auch.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck aber zum <em>Kaiserstuhl<\/em>. Ein wunderbares Beispiel daf\u00fcr, warum Wein weniger mit Natur als mit Kultur (und Technik &gt; <em>Kulturtechnik<\/em>) zu tun hat. Der Mensch formt den Berg, um \u201ebessere\u201c Erzeugnisse zu erzielen. Besser im Sinne der Erhaltung n\u00e4hrstoffreicher Erde (Erosionsvermeidung), besser in der Ausnutzung der Sonneneinstrahlung, besser im Qualit\u00e4tsverst\u00e4ndnis des Erzeugers, besser in der Quantit\u00e4t, besser aber auch in einer einfacheren Bearbeitung und somit Einsparung von Aufwand und Zeitbedarf. Ein multidimensionales Feld. Ich m\u00f6chte hier als landwirtschaftlicher Laie weder <em>pro<\/em> noch <em>contra<\/em> Natur bzw. Kultur Partei ergreifen. Der Hausverstand sagt mir, dass beides in einem nachhaltigen Sinn m\u00f6glichst gut koexistieren kann, ohne Schlagseite auf Ausbeutung &amp; Gewinnmaximierung oder \u00f6kologischem Fundamentalismus zu bekommen.<\/p>\n<p>Weinbau wird in dieser Gegend hier schon sehr lange betrieben. Aktenkundig ist der Weinbau seit 769 in <em>B\u00f6tzingen<\/em>, wie im <a href=\"https:\/\/reisebloegle.de\/kaiserstuhl\/\"><em>reisebloegle<\/em><\/a> nachzulesen ist. Jedenfalls war es in den 1960er und -70er Jahren, wo der <em>Kaiserstuhl<\/em> durch grobe Erdarbeiten \u2013 in sch\u00f6ner klingendem Neudeutsch: Flurbereinigung \u2013 sein heute so typisches Terrassengesicht und -form erhalten hat. Die Weinpreise waren am Boden, Existenzen, welche seit Generationen ihren Lebensunterhalt durch Weinbau bestritten, bedroht. Einsparung durch Rationalisierung hie\u00df das Zauberwort, das alles wieder ins Lot bringen sollte.<br \/>\nHeute wird Vieles von damals in einem anderen Licht gesehen, so zB. das Verschwinden vieler Hohlwege als \u00f6kologische Nischen. Im Web werden Interessierte zum Thema \u201eDer Kaiserstuhl vor der Flurbereinigung\u201c durchaus f\u00fcndig:<\/p>\n<ul>\n<li><em><a href=\"https:\/\/www.zobodat.at\/pdf\/Mitt-Bad-Landesver-Natkde-Natschutz-Freiburg_NF_11_0211-0222.pdf\">Infoveranstaltung &amp; Diskussionsbeitr\u00e4ge von 1973<\/a><\/em><\/li>\n<li>Hohlwege um Bickensohl (<a href=\"http:\/\/fleischer-amteroth.de%2Fresources%2FHohlwege%2BKaiserstuhl.pdf\">PDF<\/a>)<\/li>\n<li>Info zur <a href=\"https:\/\/landentwicklung.de\/flurbereinigung\"><em>Flurbereinigung<\/em><\/a> der <em>ARGE Landentwicklung<\/em><\/li>\n<li>Bild des <a href=\"https:\/\/www.leo-bw.de\/web\/guest\/detail-gis\/-\/Detail\/details\/DOKUMENT\/lmz_bilddatenbank_02\/LMZ313288\/Kaiserstuhl+S%C3%BCdhang+am+Badberg+1956\"><em>Badberg-S\u00fcdhangs vor der Flurbereinigung 1956<\/em><\/a> des <em>Landesmedienzentrums Baden-W\u00fcrttemberg<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir kommen vom Norden \u00fcber <em>Kiechlingsbergen<\/em> und nehmen die <em>Oberbergener Stra\u00dfe<\/em>, wo sich nach dem Wald rasch eine prachtvolle Aussicht vom \u201e<em>Auf dem Eck<\/em>\u201c bietet. Der Aussichtspunkt Richtung der beiden Orte <em>Oberbergen &amp; Vogtsburg<\/em>, sowie dem <em>Kaiserstuhl<\/em> selbst, wird wegen der vielen Serpentinen einer regionalen Radchallenge im Dreil\u00e4ndereck auch \u201e<a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/place\/Auf+dem+Eck+(Texaspass)\/@48.0988408,7.6504023,7574m\/data=!3m1!1e3!4m5!3m4!1s0x479115b615a6e6e1:0xcba59648f3a2c927!8m2!3d48.1102829!4d7.6541445\"><em>Texaspass<\/em><\/a>\u201c genannt. Tief eingeschnitten schl\u00e4ngeln sich durch die Reblandschaft die Kurven der Landstra\u00dfe. <em>Sch\u00f6nste Weinsicht Badens<\/em> tr\u00e4gt stolz das Schild einer stilisierten Weinrebe auf dem nachfolgenden Parkplatz, der einen guten Blick auf die Terrassen der Weinlage <a href=\"https:\/\/www.kaiserstuhl.eu\/kaiserstuehler-wein\/weinlagen\/bassgeige\/\"><em>Oberbergener Bassgeige<\/em><\/a> ergibt und Dank der Dientreise kann ich auch noch meine zwei attraktiven Arbeitskollegen in die Szenerie mit integrieren. Fast schon kitschig sch\u00f6n &#x1f609;.<\/p>\n<p>Lt. Wikipedia verdankt der <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kaiserstuhl_(Gebirge)\">Kaiserstuhl<\/a><\/em> seinen Namen vermutlich <em>K\u00f6nig <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_III._(HRR)\">Otto\u00a0III.<\/a><\/em>, der hier im Dezember 994 einen Gerichtstag abhielt und damit wurde der Gebirgszug als \u201eK\u00f6nigsstuhl\u201c bezeichnet. Nachdem der Kr\u00f6nung von <em>Otto III.<\/em> zum Kaiser wurde aus dem \u201eK\u00f6nigsstuhl\u201c der \u201eKaiserstuhl\u201c. Solche Angeber! H\u00f6chster Punkt am <em>Kaiserstuhl<\/em> ist den weithin sichtbar <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fernmeldeturm_Vogtsburg-Totenkopf\">Fernmeldeturm Vogtsburg-Totenkopf<\/a><\/em> auf 552 m. F\u00fcr die Gipfelbezeichnung gilt: <em>nomen est omen<\/em> \u2013 denn Gericht halten und Hinrichtung lag im Mittelalter leider oftmals sehr eng beisammen.<\/p>\n<p>Unser Gl\u00fcck w\u00e4re perfekt gewesen, wenn, ja wenn an diesem warmen Ende-Septembertag inmitten dieser Reblandschaft irgendwo eine Strau\u00dfenwirtschaft \u2013 so nennen sich hier das, was wir in \u00d6sterreich als Buschenschank kennen \u2013 ge\u00f6ffnet h\u00e4tte. Sehr ruhig war\u2018s da am fr\u00fchen Abend, zu ruhig, nur das moderne Weingut des Platzhirschen <em>Franz Keller<\/em> hatte ge\u00f6ffnet. Mit den vielen davor parkenden Luxuskarossen Stuttgarter Provenienz erschien uns dies f\u00fcr uns heute nicht das gem\u00fctliche Einkehrplatzl, nach dem wir Ausschau hielten und so entscheiden wir uns noch f\u00fcr die weitere Erkundung der Region und steuerten noch einen weiteren grandiosen Aussichtspunkt an \u2013 die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hochburg_(Emmendingen)\"><em>Hochburg im Landkreis Emmendingen<\/em><\/a>.<\/p>\n<p>Nach einem kleinen 15-min\u00fctigen Fu\u00dfmarsch erreichen wir zur goldenen Stunde die <em>Hochburg<\/em>. Die warmen und goldgelben Sonnenstrahlen tauchen diese noch immer stattliche Burgruine in einen magischen Ort. Ein idealer Platz, um den Sonnenuntergang und das Abendorange Richtung Frankreich aufzusaugen. Schon am Tag zuvor bei der Herfahrt erlebten wir von <em>Karlsruhe<\/em> kommend zum Abend ein magisch leuchtendes, intensiv rot-oranges Himmelsspektakel. Au\u00dfergew\u00f6hnlich!<\/p>\n<p>Fast h\u00e4tten wir die Zeit \u00fcbersehen, h\u00e4tten da nicht unsere knurrenden M\u00e4gen lautstark die Stille gebrochen und uns damit ein deutliches Zeichen zum Aufbruch gegeben. Ein landschaftlich reizvoller Flecken, der mit <em>Freiburg im Breisgau<\/em>, <em>Basel<\/em> in der Schweiz und dem <em>Elsass<\/em> \u00fcber dem <em>Rhein<\/em> meine Lust auf einen nochmaligen, l\u00e4ngeren und \u00fcberregionalen Aufenthalt geweckt hat. Dann aber wohl inklusive meiner besseren H\u00e4lfte. Sorry Florian &amp; Steve, auch wenn&#8217;s echt lustig mit euch beiden war &#x1f60e;!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass ich neben der Fotografie auch eine Leidenschaft f\u00fcr Wein hege, ist kein Geheimnis. 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