{"id":2970,"date":"2024-01-06T22:39:00","date_gmt":"2024-01-06T21:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foto.refro.at\/?p=2970"},"modified":"2024-01-06T22:51:00","modified_gmt":"2024-01-06T21:51:00","slug":"die-fotografische-freiheit-bei-der-nachbearbeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/foto.refro.at\/?p=2970","title":{"rendered":"Die fotografische Freiheit (bei der Nachbearbeitung)"},"content":{"rendered":"<p>&lt;Take One&gt;<\/p>\n<p>Digitale Fotografie ohne Bildretusche? Geht gar nicht! Nie! Naja, sehr, sehr selten. Ab und zu passt das \u201eSoC\u201c-Bild \u2013 jenes Bild im JPEG-Format, welches \u201c<em>straight out of camera<\/em>\u201d gezogen wird, schon ganz gut. Der Wei\u00dfabgleich und die Belichtung passen, folglich dann auch die Farben. Der Himmel wirkt nat\u00fcrlich und die Detailzeichnung ist in den Tiefen ausreichend vorhanden. Sch\u00f6nwetter-Handy-Aufnahmen sind ein gutes Beispiel daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Der Drang, hier noch manuell Verbesserungen anzubringen, h\u00e4lt sich in dann Grenzen. So sollte Fotografieren immer sein \u2013 voller Fokus aufs Fotografieren, aufs die Bildkomposition und nicht auf die Nachbearbeitung &#x1f60a;.<br \/>\nIm Normalfall aber findet sich aber dann doch immer ein bisschen etwas zur Optimierung. Und ich bin beileibe kein Retusche-Guru, noch habe ich sonderlich Spa\u00df an all dem \u2013 \u00a0meines Erachtens doch aufw\u00e4ndigen und auch zumeist langweiligen \u2013 Post-Processing.<\/p>\n<p>Mein Mantra bei der Fotobearbeitung klingt recht simpel: die Nat\u00fcrlichkeit, den Realismus des Bildes zu erhalten! Also Bildbearbeitung so zu betreiben, wie es mein Auge bei der Aufnahme wahrgenommen und in Erinnerung behalten hat. Das allein schon ist keine einfache Angelegenheit, manchmal sogar eine richtige Herkulesaufgabe, wenn ich<\/p>\n<ol>\n<li>Schwierigkeiten habe, mich an die reale Szenerie zu erinnern: welches Blau hat nun der Himmel genau gehabt (da gibt\u2019s mehr als eine Handvoll Farbabstufungen\u2026) und<\/li>\n<li>Dann auch kein befriedigendes Ergebnis finde, weil sich die Szenerie am Bildschirm nur als m\u00fcder Abklatsch dessen pr\u00e4sentiert, was ich gef\u00fchlt wahrgenommen habe. Frustration macht sich dann bei mir breit, ob des vorliegenden Ergebnisses bzw. der (erneut=) vergebenen Chance?!<br \/>\nDas Dilemma: mein Bauchgef\u00fchl beim Betrachten des Bildes am Bildschirm ist nicht deckungsgleich mit den Emotionen bei der Aufnahme? Seltsam, denn h\u00e4tte ich eine Szenerie, ein Motiv nicht als \u201esch\u00f6n\u201c und als ablichtenswert empfunden, h\u00e4tte ich ja gar nicht den Ausl\u00f6ser bet\u00e4tigt. Und genau da ist der Gegensatz, den es aufzul\u00f6sen, welchen es zu knacken gilt?! Andererseits, wenn alle Bilder auf Anhieb gelingen w\u00fcrden, so wie wir hinter der Kamera das uns vorstellen, dann h\u00e4tten wohl die meisten Menschen rasch ihr Interesse an der Fotografie verloren, oder?<\/li>\n<\/ol>\n<p>&lt;Take Two&gt;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Aufgabe: wir haben also ein Foto am Bildschirm, das aufgrund der eben geschilderten Gegebenheit(en) Optimierung ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Versuche, dem Bild wieder etwas mehr von jenem Kick der Aufnahmesituation mitzugeben, m\u00fcnden oft in \u00dcbertreibung. \u00dcbertreibung beim Kontrast, der Sch\u00e4rfe, der Farbe, was auch immer, denn dies sind die Erstans\u00e4tze bei der Nachbearbeitung. Ggf. wird es im Detailbereich besser \u2013 im Gesamten aber? Meines Erachtens selten!<\/p>\n<p>Wie also Aufsehen erregen in Zeiten der sozio-medialen Bilderflut? Entweder durch Masse, durch st\u00e4ndiges Bespielen des Kanals oder durch die M\u00f6glichkeit der \u00fcberdrehten Pr\u00e4sentation als Aufmerksamkeitshascher! Knallig bunte Bilder pr\u00e4sentieren! Sukzessive am Farbs\u00e4ttigungsregler hantiert, bis alles andere Bilder herum ausgestochen und \u00fcbertrumpft werden. Blo\u00df mir dreht es dann die Augen um, denn in meinem Verst\u00e4ndnis als \u201cBewahrer der Nat\u00fcrlichkeit\u201d ist das oftmals nicht auszuhalten! Interessanterweise scheinen viele meiner Mitmenschen davon g\u00e4nzlich unbeeindruckt zu sein. Entweder sind diese bereits abgestumpft oder ihre Farb-Sensitivit\u00e4tsschwelle ist derart niedrig, dass dies bereits einem \u201cfarbenblind\u201d nahekommt?<\/p>\n<p>Das Fatale daran ist auch, das die Masse der \u00dcbertreibung die Schwelle der Normalit\u00e4t hin zum Schlechteren skaliert! Wahrgenommen wird\u2019s aber genau anders herum: das realistische Abbild wird pl\u00f6tzlich als fad und \u00f6d klassifiziert.<\/p>\n<p>&lt;Take Three&gt;<\/p>\n<p>So schwarz\/wei\u00df ist die Welt jedoch nicht (immer). Und auch ich habe bei Farbe (m)einen Schwachpunkt, wie ich gleich offenlegen werde.<\/p>\n<p>Presets, das sind jene frei konfigurierbare und somit dann voreingestellten Bearbeitungsschritte, welche versprechen, wiederholbare T\u00e4tigkeiten bei der Fotonachbearbeitung effizienter zu gestalten. Ein flexibles und wahrlich sinnvolles Konzept!<\/p>\n<p>So weit, so gut. Ich spreche hier aber von <em>Farb-Presets<\/em>, also jenen, welche simplen Knopfdruck einen speziellen \u201cFoto-Look\u201d zu erzeugen. Presets sind in meinem Bearbeitungsprogramm bereits im Standard (seufz!) zu Hunderten vorhanden! Und ob als das alles nicht bereits genug w\u00e4re, nein, da gibt es dann noch all jene Presets der im Netz aktiven Berufsfotografen, welche diese als Teaser umsonst oder z.B. beim Abonnieren ihrer Newsletters als Goodie unters lernwillige Volk verteilen. Wer kommt da nicht in Versuchung? Installiert sind diese mit geringem Aufwand \u2013 erst die Anwendung dieser Presets offenbart sich dann als der wahre Zeitr\u00e4uber! Und auch als Platten- sprich Speicherplatz-Verschwender!<\/p>\n<p>Denn habe ich erstmals ein Foto von mir als \u201cPreset-tauglich\u201d eingestuft, passt dieses Bild meistens nicht nur f\u00fcr genau <em>eine<\/em> Einstellung. Nein! Es schaut passabel in einer Vielzahl an Look-Variationen aus. Und das hei\u00dft konkret: zig Presets ausprobieren, vor und zur\u00fcckspringen, um zu vergleichen und auszuprobieren, um dann schlussendlich Dank meines eigenen Unverm\u00f6gens der Einschr\u00e4nkungsf\u00e4higkeit mit ann\u00e4hernd ALLEN Varianten aus einem entwickelten Bild in meinem Foto-Verwaltungstool zu enden. Na super \u2013 ein echter Produktivit\u00e4tsmultiplikator ;-). So mache ich aus einem Foto gleich mal drei, f\u00fcnf oder gar mehr. Vom selben Foto! Und das, obwohl Entscheidungsschw\u00e4che i.d.R. nicht zu meinen Charakterz\u00fcgen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Aber es geht ja noch weiter! Denn der Reiz einiger Presets liegt ja auch in ihrer einzigartigen Farbgestaltung \u2013 <em>Cineasten Look<\/em> zum Beispiel, Farbvarianten der Jahreszeiten angepasst, unz\u00e4hlige Preset f\u00fcr die Portrait-Sessions oder welche f\u00fcr den stylischen <em>Vintage-Look<\/em>. Ein Mausklick und schaut gleich cool aus :-). Und ggf. auch deutlich besser im Vergleich zum Originalbild? Und Schwupps ist mein Grundsatz der \u201cnat\u00fcrlichen Bildbearbeitung\u201d schon \u00fcber Board gefallen. Hast du\u2018s bemerkt? Teuflisch!<br \/>\nBei mir geht es nicht um ein zeitgeistiges \u201esich-abheben-wollens\u201c vom Rest der Gilde, nein, eher um \u201egeopfert am Altar der Software-M\u00f6glichkeiten, der Technikverliebtheit\u201c. Oder aber, weil ich eventuell gescheitert bin an einer zu schwachen Bildkomposition? Wie auch immer, nat\u00fcrlich bin ich \u2013 wir alle als Fotografen \u2013 nicht verlegen um eine Ausrede, um ein Statement: \u201e<em>edit to taste<\/em>\u201c hei\u00dft dann die Rechtfertigung der k\u00fcnstlerischen Freiheit. \u201e<em>Bearbeitet nach pers\u00f6nlichem Geschmack<\/em>\u201c, die wir klein \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 unterm Bild anbringen. <em>Richard Butler<\/em>, ehemaliger Chefredakteur vom (leider) eingestellten <em>dpreview.com<\/em> hat dies recht konsequent verwendet, um den ganzen Besserwissern im Vorhinein den Wind aus den Segeln zu nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2971\" src=\"https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"2111\" srcset=\"https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1.jpg 1920w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1-273x300.jpg 273w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1-931x1024.jpg 931w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1-768x844.jpg 768w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1-1397x1536.jpg 1397w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1-1863x2048.jpg 1863w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1-1612x1772.jpg 1612w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1-1116x1227.jpg 1116w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1-806x886.jpg 806w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1-558x614.jpg 558w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-1-655x720.jpg 655w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/a>Presets &#8211; die Qual der Wahl!<\/p>\n<p>Das hier soll auch weder Rechtfertigung sein und auch kein Mahnruf an ein \u201erichtig oder falsch\u201c oder an ein \u201eecht, echter und unecht\u201c. Nein, es geht allein um das \u201esich bewusst machen\u201c, der Sch\u00e4rfung der eigenen fotografischen Sinne und um Selbstreflexion beim eigenen fotografischen Verhalten. All dies f\u00fchrt dann hoffentlich zu einem (f\u00fcr sich selbst) befriedigenderen Ergebnis.<\/p>\n<p>Auch wenn ich eher der dokumentarischen Fotografie zugeneigt bin als der Fotografie als Vehikel zur k\u00fcnstlerischen Selbstentfaltung, finde ich, dass einige Preset ziemlich spektakul\u00e4re Ergebnisse liefern. Im positiven Sinn als auch bei der \u00dcbertreibung. Das geschulte Auge erkennt dies ohnedies sofort \u2013 die Persiflage des Bildes sollte also offenkundig sein! Zum Gl\u00fcck gibt\u2018s auch subtile(re) Presets, die nicht gleich die gesamte Tonalit\u00e4t eines Bildes umkrempeln. Ein guter Startpunkt zum Experimentieren\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2979\" src=\"https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1447\" srcset=\"https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw.jpg 1920w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw-300x226.jpg 300w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw-1024x772.jpg 1024w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw-768x579.jpg 768w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw-1536x1158.jpg 1536w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw-1612x1215.jpg 1612w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw-1116x841.jpg 1116w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw-806x607.jpg 806w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw-558x421.jpg 558w, https:\/\/foto.refro.at\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/collage-all-bw-655x494.jpg 655w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/a>Sich entscheiden f\u00fcr eine einzelne Variante? F\u00e4llt mir ehrlich gesagt nicht leicht! Und dir? Welches Bild w\u00e4re nun dein Favorit?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&lt;Take One&gt; Digitale Fotografie ohne Bildretusche? Geht gar nicht! Nie! Naja, sehr, sehr selten. 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