{"id":985,"date":"2018-03-17T17:45:39","date_gmt":"2018-03-17T16:45:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.refro.at\/refroto\/wp2\/?p=985"},"modified":"2019-03-31T12:29:26","modified_gmt":"2019-03-31T10:29:26","slug":"nordportugal-1-rund-um-viana-do-castelo-vdc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/foto.refro.at\/?p=985","title":{"rendered":"Nordportugal 1 \u2013 Rund um Viana do Castelo (VdC)"},"content":{"rendered":"<p>(Nord)Portugal ist ein stilles Land, ein ruhiges Land, so wie auch die Menschen dort. Stets bem\u00fcht und immer hilfsbereit. Und auch manchmal etwas hilflos, denn gesch\u00e4tzt mehr als die H\u00e4lfte jener Personen, mit denen wir ins Gespr\u00e4ch kommen wollten oder in Kontakt gekommen sind, war keiner einzigen Fremdsprache m\u00e4chtig: \u201e<em>Eu s\u00f3 falo portugu\u00eas.<\/em>\u201c hie\u00df es dann \u2013 ich spreche nur Portugisisch\u00a0\u2013 zusammen mit einem entschuldigenden L\u00e4cheln im Gesicht. Portugiesen sind angenehme, weil ruhige und disziplinierte Zeitgenossen. Kein lautes Volk. Zur\u00fcckhaltend, nicht \u00fcberschw\u00e4nglich. Wer laut beim Fr\u00fchst\u00fcck lacht, f\u00e4llt bereits auf. Und ist garantiert kein Einheimischer. Steif jedoch war es nie, dazu liegt auch Nordportugal viel zu weit s\u00fcdlich am europ\u00e4ischen Kontinent.<\/p>\n<p>Deutsch ist hier die Minderheit. Einige Nachbarn aus dem angrenzenden Spanien, einige Briten (dem Portwein geschuldet), wenige Franzosen, selten Nordl\u00e4nder und schon gar keine \u00d6sterreicher. Wahrscheinlich sind die alle an der Algarve oder in Lisboa \u2013 eh klar: Sonnenanbeter! Aber u.A. genau deswegen haben wir unser Sommerferiendomizil diesmal hier aufgeschlagen \u2013 im n\u00f6rdlichen S\u00fcden :-).<\/p>\n<p>Unser erstes Domizil haben wir in einer Pousada hoch \u00fcber <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Viana_do_Castelo\"><em>Viana do Castelo<\/em><\/a><\/strong> oben am <em>Monte Santa Luzia<\/em>, direkt hinter dem sehenswerten Santu\u00e1rio bezogen. Pr\u00e4chtiger Ausblick \u00fcber VdC inklusive \u2013 zumindestens am Nachmittag, wenn die sommerlichen, feuchten Nebelschwaden des Atlantiks keine Chance mehr gegen die Kraft der Sonne aufzuweisen hatten. Die Wallfahrtskirche <em>Santa Luzia<\/em>, ein gut besuchtes und sicherlich dominantes Wahrzeichen von VdC., kleidete sich bei unserer Ankunft noch ostseitig in ein Ger\u00fcst (Fassadenreinigung durch Wasserstrahlen). An unserem Abreisetag wurden wir jedoch mit dem Anblick eines vollst\u00e4ndig renovierten sakralen Bauwerks im morgendlichen Sonnenschein verabschiedet \u2013 so hinterl\u00e4sst man Eindruck :-).<\/p>\n<p>Cool waren auch die beiden \u00e4lteren Herren mit doch bereits etwas betagten Klapp-\/Balgenkameras der schw\u00e4bischen Marke <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/August_Nagel_(Erfinder)\"><strong>Nagel<\/strong><\/a> 30<\/em>, welche vor der Kulisse des Ausflugsziels auf Kundenfang f\u00fcr Schwarz\/Wei\u00df-Erinnerungsfotos waren \u2013 klar, dass ich hier nicht widerstehen konnte, f\u00fcr \u20ac 10,&#8211; in 10 Minuten 2 gelungene Abz\u00fcge auf <em>Ilford<\/em>-Fotopapier f\u00fcrs Urlaubsalbum in H\u00e4nden zu halten.<\/p>\n<p>Neben dem eindrucksvollen Santu\u00e1rio bietet VdC baulich einige sehenswerte H\u00e4user im manuelinischen Stil, insbesonders der Hauptplatz, die <em>Pra\u00e7a da Rep\u00fablica<\/em>. Zum abendlichen Flanieren ist die Altstadt dank ihrer \u00fcberschaubaren Ausdehnung f\u00fcr einen Spaziergang an der Uferpromenade entlang bis zur (im Vergleich zu Porto unspektakul\u00e4ren) Eiffelbr\u00fccke bestens geeignet.<\/p>\n<p>Auch gibt es einige interessante Unterk\u00fcnfte direkt im Altstadtkern, so zB. das Casa Manuel Espregueira e Oliveira, das mit individuellen &amp; liebevoll restaurierten Zimmern inmitten historischer Gem\u00e4uer punkten kann. Ebenso ein frisch restauriertes, schwimmendes Fischereihospital-Museum(sschiff), die <em>Gil Eanes<\/em> (benannt nach einem portugiesischen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gil_Eanes\"><strong>Seefahrer<\/strong><\/a>), sowie einer \u201ekleine Ausgabe\u201c des Pariser <em>George Pompidou<\/em>-Centers, welches als \u00f6rtliches Veranstaltungszentrum dient. Zumindest wird es im Volksmund liebevoll nach dem ber\u00fchmten Vorbild benannt.<\/p>\n<p>Einer der fotografischen Highlights war f\u00fcr mich der \u00f6rtliche Jahrmarkt, bei dem es neben Utensilien zur Weinproduktion (in allen Gr\u00f6\u00dfen bis zum Ziergegenstand f\u00fcr den Mittagstisch), \u00fcber (Schwarz-)Geschirr, Floristik und Bekleidung so ziemlich alles zu kaufen gab. Und das in Preisregionen ab einem (\u20ac 1,&#8211;!) Euro \u2013 die Schlacht am W\u00fchltisch ist er\u00f6ffnet. Eine Veranstaltung, welche in unseren geografischen Breiten bereits seit geraumer Zeit ausgestorben ist \u2013 gl\u00fccklicherweise, denn hinter den f\u00fcr mich bunten Fotomotiven wird schnell die eine oder andere menschliche Tristesse und Armut sichtbar.<\/p>\n<p>Kulinarisch betrachtet gewinnt VdC keinen Preis. Trotz einiger Fischlokale, welche allesamt ein sehr einfaches Verst\u00e4ndnis von \u201ekochen\u201c besitzen (frischer Fisch alleine reicht in unserem Verst\u00e4ndnis eben noch nicht f\u00fcr \u201egut essen\u201c aus), wusste nur das wirklich empfehlenswerte \u201e<em>Porta 93\u201c<\/em> nahe dem Bahnhof ein stimmiges Gesamtbild aus Interieur &amp; K\u00fcche zu bieten. Ambitioniert im Bereich einer Haube und kurioserweise auch nicht teurer als alle anderen Lokale, in denen wir zu Gast sein durften. Einheitspreise sozusagen! Ganz gut noch die urige Tapas-Bar \u201e<em>O Tabern\u00e3o<\/em>\u201c, \u00fcppig-gute, aber auch salzige, weil mit viel K\u00e4se belegte Pizze gibt\u2019s im Restaurant \u201e<em>Dolce Vianna<\/em>\u201c nahe dem Stadtplatz, zufriedenstellende Stockfischvariationen hatten wir bei \u201e<em>O Pescador<\/em>\u201c (eine Portion reicht locker f\u00fcr 2 Personen) nahe der Igreja de S\u00e3o Domingos. Ein einziges Fiasko jedoch war das angeblich beste Fischlokal \u201e<em>Da Linda<\/em>\u201c im Hafen. Beengtes Sitzen an kleinen Tischen und bei der Zubereitung der Fischgerichte erkennt man wenig bis kein Engagement einer Verfeinerung seitens der K\u00f6che. Eine weitere Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass den Bewertungen auf tripadvisor nicht immer zu trauen ist.<br \/>\nZum Ausgleich daf\u00fcr gibt es \u00fcberall k\u00f6stliches Schokomousse: dunkel, herb, intensiv und von perfekter, cremiger Konsistenz. Schlichtweg vom Feinsten, sodass Schokoladeneis und <em>Mousse au Chocolat<\/em> in jeder Dorfkneipe \u2013\u00a0 aber wirklich in jeder! \u2013 ohne Z\u00f6gern und ohne Reue geordert werden k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd noch ein Genuss-Highlight kann diese Region bieten: k\u00f6stlich frischen, kargen <em>Vinho Verde<\/em> aus <em>Alvarinho<\/em> zu Fisch &amp; Tapas, sowie den unvergleichlichen Rotwein aus <em>Touriga Francesca<\/em> bzw. <em>Nacional<\/em> aus dem <em>Douro<\/em>-Tal. Dieses bietet ebenso tolle Wei\u00dfweine, die ihre Frische im Gegensatz zu unseren Breiten nicht aus dem S\u00e4uregehalt beziehen. F\u00fcr \u00f6sterreichische &amp; deutsche, s\u00e4uregepr\u00e4gte Gaumen ein tolles, neues Geschmackserlebnis. (Nord)Portugiesische Weine, eine m.E. noch immer v\u00f6llig zu Unrecht untersch\u00e4tzte, gro\u00dfe Weinbau-Nation!<\/p>\n<p>So tragen diese vielschichtigen (menschlichen, wirtschaftlichen, baulichen, landschaftlichen, wetterbedingten, gastronomischen, \u2026) und durchaus auch gegens\u00e4tzlichen Aspekte mit all ihren kleinen Facetten genau zu jener Melange bei, die den Reiz dieser Region Portugals \u2013 <em>Minho-Lima<\/em> \u2013 \u00a0ausmachen. Zugegebenerma\u00dfen braucht es aber vielleicht auch ein fotografisch geschultes Auge, um die Sch\u00f6nheit im Detail zu sehen und dazu ein Quentchen kulturelle Offenheit, um sich daran zu erfreuen.<\/p>\n<p>N\u00f6rdlich von VdC, hinauf in Richtung Staatsgrenze zu Spanien gibt es wundersch\u00f6ne Str\u00e4nde \u2013 aufgef\u00e4delt wie auf einer Perlenkette, wie zB. den Strand von <em>Afife<\/em>. Alles wirklich blitzsauber, mit Holzstegen f\u00fcr guten Zugang, meistens bestens bewacht und allesamt weit davon entfernt, \u00fcberlaufen zu sein. Hier f\u00fchlen sich auch Individualisten pudelwohl. Wellen und die immer wehende, steife Brise des Atlantiks gibt\u2019s gratis mit dazu, nicht f\u00fcr jede Person gleicherma\u00dfen geeignet. Quasi als Entsch\u00e4digung kann den unz\u00e4hligen, mutigen Surfern zugesehen werden. Samt deren ebenso unz\u00e4hligen, gescheiterten Versuchen, die Wellen richtig einzusch\u00e4tzen. Fad wird\u2019s da nie. Und das Tolle an dieser K\u00fcstenlandschaft: es sind Sandstr\u00e4nde mit teils kr\u00e4ftigen Felsen \u2013 da kommt also jede (Sand- bzw. Kies\/Stein-)Fraktion auf ihre Kosten.<\/p>\n<p>Wer etwas abseits der Hauptrouten durch die Landschaft tourt, gewinnt den Eindruck eines Landes im Aufwind, zwar einer noch immer vorwiegend b\u00e4uerlich gepr\u00e4gten Region, aber auch mit bescheidenem Wohlstand. Industrie, abseits der Werft in VdC, ist aber selten zu sehen. \u00dcberhaupt habe ich mich bei der Durchfahrt kleinerer Orte oft gefragt, wo denn hier &#8222;das Leben spielt&#8220;, so verwaist pr\u00e4sentierten sich einige Orte. Doch dann tauchen unverhofft wieder ein paar neue, h\u00fcbsche H\u00e4user auf. Und auch bei den sehenswerten kleinen St\u00e4dtchen wie zB. <em>Ponte de Lima<\/em> oder <em>Caminho<\/em> ist pulsierendes Leben mit vielen Einheimischen als auch portugiesischen Touristen zu sp\u00fcren. Wer sich hier dann einfach unters Volk mischt, ein paar der wirklich ausgezeichneten Backwaren samt hervorragendem Kaffee\u00a0genie\u00dft \u2013 den gibt\u2019s \u00fcberall, wirklich \u00fcberall (und nicht nur in bella Italia) \u2013 erlebt pl\u00f6tzlich das Leben dieses Volkes viel intensiver. Denn Portugiesen lieben S\u00fc\u00dfes \u00fcber alles andere, wird berichtet, und so sieht man \u00fcberall zufriedene Gesichter.<\/p>\n<p>Beide Orte kann ich f\u00fcr einen Besuch empfehlen \u2013 <em>Caminha<\/em> zB. nach dem Baden am sp\u00e4teren Nachmittag und <em>Ponte de Lima<\/em> am Abend, wenn die Tagesausfl\u00fcgler wieder heimkehren und die antike, r\u00f6mische Br\u00fccke \u00fcber den <em>Lima<\/em> samt Stadtplatz illuminiert werden, erst dann pr\u00e4sentiert sich dieses h\u00fcbsche, mit reichlichen Parks und Blumen versch\u00f6nerte St\u00e4dtchen als Gesamtkunstwerk. Die Ponte war bei unserem Besuch im \u00dcbrigen untertags mit Walzermusik der <em>Strauss<\/em>-Familie beschallt \u2013 ein unverhoffter Gru\u00df aus der Heimat ;-). Herausfordernd war dann aber, abends ein ge\u00f6ffnetes Restaurant zu finden \u2013 wer h\u00e4tte das an so einem netten Ort gedacht? Klappen die denn um 8 Uhr abends die Gehsteige hoch?<\/p>\n<p>Etwas verwegener wird es, wenn wir weiter ins Landesinnere in Richtung National Park <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalpark_Peneda-Ger%C3%AAs\"><strong><em>Peneda-Ger\u00eas<\/em><\/strong><\/a> und zur spanischen Grenze vordringen. Unser Ziel war <em>Lindoso<\/em> mit eigenartig, schaurig anmutenden Gebilden rund um eine kleine, gut befestigte Trutzburg. Doch davon mehr im n\u00e4chsten Teil&#8230; .<\/p>\n<hr \/>\n<p>Tipp zum Ansehen der Bilder:<br \/>\nWem die wechselnde Gr\u00f6\u00dfe der Bilder und die damit einhergehende wechselnde Position der Pfeile zum Weiterbl\u00e4ttern nervt, der klickt einfach auf das Bild und bl\u00e4ttert nun, bei konstanter Position der Pfeile, im Vollbildmodus durch die Gallerie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Nord)Portugal ist ein stilles Land, ein ruhiges Land, so wie auch die Menschen dort. Stets bem\u00fcht und immer hilfsbereit. 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